Gestaltungspreis 2012: Zukunft der Vergangenheit

GP_ZDV (Foto © Wüstenrot Stiftung)

In den Jahren 1945 bis 1979 wurden in Deutschland die Grundlagen für einen modernen Wohlfahrtsstaat, für leistungsfähige Städte und Regionen, für ein modernes, sicheres Wohnen und für den Aufstieg zu einer Wirtschaftsnation der ersten Kategorie geschaffen. Ein großer Teil der dabei entstandenen Gebäude sind wegen ihrer funktionalen Qualität, ihrer anhaltenden Versorgungsfunktion oder ihrer baukulturellen Bedeutung auch in Zukunft unverzichtbar. Hierfür ist in der Regel eine umfassende Erneuerung erforderlich – beispielsweise hinsichtlich des Energiekonzeptes oder für eine Anpassung an veränderte Parameter ihrer Nutzung (Grundrisse, Ausstattung, Wirtschaftlichkeit, innere Struktur).

Der bundesweite Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung zeigt zu dieser Bauaufgabe aktuelle und beispielhafte Projekte aus ganz Deutschland. Ausgezeichnet wurden wegweisende und innovative Baumaßnahmen, die unter ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Zielsetzungen als vorbildhaft gelten können.

Unter 474 Einsendungen hat die Jury in mehreren Sitzungen, zwischen denen die Gebäude in der engeren Wahl vor Ort besichtigt wurden, über die Vergabe der Prämierungen und der Preisgelder in Höhe von insgesamt 51.000 Euro entschieden.

Jurymitglieder waren:

  • Prof. Max Dudler, Architekt, Berlin / Frankfurt am Main / Zürich (Vorsitzender)
  • Stefan Forster, Architekt, Frankfurt am MainStefanie Frensch, Architektin, Immobilienökonomin, Berlin
  • Philip Kurz, Architekt, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg
  • Volker Lindner, Stadtbaurat, Herten
  • Prof. HG Merz, Architekt, Museumsplaner, Stuttgart / Berlin
  • Karin Renner, Architektin, Hamburg

Gestaltungspreis 15.000 Euro

Der mit 15.000 Euro dotierte Gestaltungspreis wurde für die Sanierung, den Umbau und die Erweiterung des Wohnquartiers Altenhagener Weg in Hamburg durch SPRINGER ARCHITEKTEN (Berlin) vergeben. Damit würdigt die Jury den beispielhaften Umbau von Wohngebäuden aus den 1950er Jahren in einem überzeugenden städtebaulichen Ansatz mit vorbildhafter Architektur der Bestands- und Neubauten. Besonders überzeugend sind die gestalterische Qualität, das umfassende, über eine reine Bestandssicherung hinausgehende Konzept und der damit verbundene Vorbildcharakter für eine gelungene, auch sozial gemischte Nachverdichtung. Ausgehend von der schlichten Bausubstanz der 1950er Jahre ist eine zukunftsfähige Wohnanlage entstanden, deren Qualität eine nachhaltige Nutzung in Verbindung mit einer hohen Wertbeständigkeit verspricht, und die zugleich von der gesellschaftlichen Verantwortungsbereitschaft der Bauherrschaft zeugt. In dieser Perspektive ist das Projekt beispielgebend für viele andere Quartiere aus dieser Zeit, die vor vergleichbaren Herausforderungen bei der Realisierung beständiger Zukunftsperspektiven stehen.

Vier Auszeichnungen zu je 6.500 Euro

ASS Planungs GmbH (Stuttgart) für die Erweiterung und Modernisierung der Städtischen Tageseinrichtung für Kinder in Stuttgart-Vaihingen.

Die Erneuerung und Ergänzung des Gebäudes und seine innenräumliche Anpassung an veränderte pädagogische Konzepte („Einstein in der Kita“) stellen ein herausragendes Beispiel für den Umgang mit diesem Bestand dar. Zugleich ist die Baumaßnahme eine angemessene Reaktion auf unsere gesellschaftliche Verantwortung für die Bildung und Betreuung unserer Kinder. Das konstruktive Zusammenwirken von Architekten und Pädagogen ist in der klaren Gestaltung des Gebäudes, der vorbildlichen Anbindung der Außenräume und in den stimmigen Detaillösungen der alltäglichen Nutzung gleichermaßen erfahrbar.

 

LRO Lederer, Ragnarsdóttir und Oei (Stuttgart) für die Konzeption und Realisierung des Temporären Amtssitzes des Bundesverfassungsgerichtes in Karlsruhe.

Mit behutsamen, aber gezielten Eingriffen wird in einer ehemaligen Kaserne mit hoher Qualität ein temporärer und dennoch repräsentativer Amtssitz für das Bundesverfassungsgericht geschaffen. Die funktional wie gestalterisch hochwertigen Innenräume einschließlich eines attraktiven Plenarsaals und eines für Direktübertragungen des Fernsehens geeigneten Sitzungssaals schaffen eine dauerhaft anmutende Qualität. Im vorbildhaften Umgang mit der bestehenden Situation entsteht eine auf die Bedeutung dieser neuen Nutzung ebenso angemessen wie feinfühlig reagierende Architektur.

 

Helmut Riemann Architekten GmbH (Lübeck) für den Umbau und die Umnutzung ehemaliger Verwaltungsgebäude im Reemtsma Park in Hamburg zu hochwertigen Wohnungen.

Der Umbau von Verwaltungsgebäuden zu Wohnzwecken gehört vor allem in Städten und in Agglomerationsräumen mit angespannten Wohnungsmärkten zu den aktuellen Aufgaben im Umgang und in der Ertüchtigung des Bestandes. In diesem Projekt ist es gelungen, einen hochwertigen Verwaltungstrakt ohne gestalterische Überformung in ein ebenso hochwertiges Wohnungsangebot zu überführen. Die im Zuge der Umbaumaßnahme ebenfalls neu gestalteten Freibereiche ergänzen das Konzept durch eine hohe Aufenthaltsqualität.

 

Brückner & Brückner Architekten (Würzburg) für den Umbau und die Modernisierung des Pfarrzentrums Christkönig in Schweinfurt.

Ein der Kirche vorgelagertes Gemeindezentrum mit Pfarrsaal, Kindergarten und Hausmeisterwohnung wurde mit großer Aufmerksamkeit für das Detail behutsam modernisiert und energetisch saniert. In einem rundum gelungenen Ansatz wird der ursprüngliche architektonische Charakter des Gebäudekomplexes und der Fassade aufgenommen und in die heutige Zeit transformiert. Durch die neu gestaltete äußere Gebäudehülle und den gezielten Umbau im Innenbereich erhält das Pfarrzentrum eine hohe Attraktivität. Die Maßnahmen zeugen sowohl von hohem Respekt gegenüber der vorgefundenen Substanz als auch von einer sensiblen Umsetzung der spezifischen Nutzungsanforderungen.

Vier Anerkennungen zu je 2.500 Euro

  • Ebe + Ebe + Partner (München) für die Sanierung und Modernisierung eines Mehrfamilienhauses in Ingolstadt.
  • Prof. Andreas Meck (München) für den Umbau des Anbaus am Pacelli Palais in München.
  • Hild und K Architekten (München) für den Umbau und die Neugestaltung des Gebäudes 0505 der TU München.
  • Drexler Guinand Jauslin Architekten GmbH (Frankfurt am Main) für die Modernisierung und den Umbau eines städtischen Wohnhauses in Bonn.