Haus Schminke in Löbau

Die Gartenseite nach der Instandsetzung  (Foto © Wolfgang Reuss, Berlin)

Die Gartenseite nach der Instandsetzung (Foto: Wolfgang Reuss © Wüstenrot Stiftung)

Die Villa des Fabrikantenehepaares Schminke im sächsischen Löbau zählt, neben der Philharmonie in Berlin, zu den Hauptwerken des Architekten Hans Scharoun. Sie entstand zwischen 1931 und 1933, wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherren konzipiert und gilt als Wohnbauklassiker.

Im Zusammnspiel zwischen Haus und Garten konnte Scharoun alle Prinzipien des Neuen Wohnens verwirklichen – wie er sie beim Bau eines Einfamilienhauses als Beitrag zur Werkbundausstellung „Die Wohnung“ (Stuttgart, Weißenhofsiedlung, 1927) bereits formuliert hatte. Wechselnde Raumbeziehungen, die Verschiebung der Raumachsen, zum Beispiel durch Schiebetüren anstelle starrer Zwischenwände, ausgesuchte Materialien, eine ausgefeilte Lichtregie sowie der Einbezug der Landschaft sorgten für eine lebendige und großzügige Atmosphäre in der Villa und ermöglichten eine vielfältige Nutzung, die sich Veränderungen in den Lebensgewohnheiten anpassen ließ. Der zentral gelegene Wohnraum ist das Herzstück des Hauses, ein „Raum der Mitte“ für Gespräch und Gemeinschaft, im übrigen ein Element, das Scharouns Architektur wie ein roter Faden durchzieht.

Zwölf Jahre, von 1933 bis 1945, diente die Villa dem Ehepaar Schminke und sienen vier Kindern als Wohnhaus, später war sie unter wechselnden Vorzeichen über 50 Jahre lang ein Haus für Kinder und Jugendliche.

Von 1999 bis 2000 wurde das Gebäude saniert. Die Wüstenrot Stiftung ging mit der Stadt Löbau eine Bauherrengemeinschaft ein, trug gut die Hälfte der Sanierungskosten und stellte die ergänzende Finanzierung durch den Bund und das Land Sachsen sicher. Das Instandsetzungskonzept ging von der Erhaltung und behutsamen Reparatur aller original überkommenen Bau- und Ausstattungsteile aus, Verluste und Altersspuren sollten jedoch als Teil der Geschichte des Baudenkmals akzeptiert werden.

Die Schäden am Gebäude resultierten aus mangelnder Wartung und unsachgemäßer Instandsetzung. Vor allem handelte es sich um Durchfeuchtungen im Kellergeschoss, Putzschäden sowie starke Rostschädigungen der Stahlbauteile im Terrassenbereich und an den Fenstern sowie Undichtigkeiten im Dachbereich. Im Vordergrund der Arbeiten standen die Sanierung der konstruktiven Hülle, eine verbesserte Wärmedämmung und die Regelung des Raumklimas. Heizung, Lüftung und temporärer Wärmeschutz wurden wieder sorgsam aufeinander abgestimmt, Stahlfenster und -türen blieben erhalten. Der Originalputz wurde aufwendig gereinigt, Teile der wandfesten Raumausstattung wie Lüftungsflügel oder Einbauschränke konnten in ihrer ursprünglichen Farbigkeit wieder hergestellt werden. Ein Pflegeplan für die Betreiber soll in Zukunft die optimale Nutzung sowie die Langlebigkeit von Haus und Garten sicherstellen.

Ende 2000 wurde die Villa ihrer neuen Bestimmung übergeben. Sie ist heute im Besitz der Stiftung Haus Schminke. Ganz im Sinne der Erben, die das Haus Schminke der Stadt Löbau überließen, ist es ein Haus der Begegnung, das Kindern und Jugendlichen sowie Senioren für eine aktive Freizeitgestaltung zur Verfügung steht. Als wichtiges Architekturerbe steht die Villa Schminke überregional Künstlern, Wissenschaftlern und interessierten Besuchern offen.

Projektlaufzeit:Zuständige Architekten:Eigentümer/Nutzer:
1997 – 2000Pitz + Hoh, Werkstatt für Architektur und Denkmalpflege, BerlinStiftung Haus Schminke