Umlauftank 2 von Ludwig Leo in Berlin

Umlauftank 2, Außenansicht nach der Instandsetzung (Foto: Philip Lohöfener © Wüstenrot Stiftung)

Umlauftank 2, Außenansicht nach der Instandsetzung (Foto: Philip Lohöfener © Wüstenrot Stiftung)

Seit 1974 steht der Umlauftank 2 (UT 2) von Ludwig Leo mit seiner dramatischen Form, Funktion und Farbigkeit mitten in Berlin. Der Umlauftank 2 ist kein klassisches Gebäude, sondern liegt im Grenzbereich zwischen Architektur, Industriebau, Maschine und wissenschaftlichem Gerät. Mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie lotete die Wüstenrot Stiftung bereits 2012 die grundsätzlichen Möglichkeiten einer Reparatur und Instandsetzung des Umlauftanks aus. 2014 begannen die Planungsarbeiten durch die Architekten HG Merz aus Stuttgart und adb aus Berlin. Im Rahmen der folgenden Maßnahmen wurden umfangreiche materialtechnische Forschungsarbeiten geleistet, um trotz großflächiger Schäden die Gebäudesubstanz in maximaler Authentizität innen und außen zu erhalten. Heute strahlt der Umlauftank, gemäß originalem bauzeitlichen Befund, wieder in seinen leuchtenden Farben Blau und Rosa.

Durch eine, im Rahmen des Projekts konzipierte und in Berlin, Stuttgart und London gezeigte, Ausstellung mit dem Titel „Ludwig Leo Ausschnitt“ von BARarchitekten und Gregor Harbusch wurde die Reparatur- und Instandsetzung des UT 2 zusätzlich flankiert und die Bedeutung von Leos Werk  sichtbar gemacht.

Der UT 2 wird von der Technischen Universität Berlin noch immer für Versuche mit Schiffsmodellen, für Widerstands-, Freifahr-, Propulsions-, Manövrier- und Kavitationsversuche sowie zur Strömungsbeobachtung genutzt. Seine ursprüngliche Funktion bleibt auch in Zukunft für Forschungen im Bereich der Dynamik und des Entwurfs maritimer Systeme, der Fluidsystemdynamik und der experimentellen Strömungsmechanik erhalten.

Die Instandsetzung

Der UT 2 ist ein sehr junges Denkmal und steht exemplarisch für die z. T. schlechten Alterungseigenschaften seiner Materialien. Neben umfangreichen Archivrecherchen zur Sicherung und Auswertung von zeitgeschichtlichem und bauhistorischem Material sowie der Veränderungsgeschichte, einer bauliche Bestandsaufnahme und der Einschätzung des Bestandes hinsichtlich seiner Originalität lag ein Schwerpunkt der Arbeiten deshalb auf dem Untersuchen und Bewerten von Bausubstanz, Tragwerk, Haustechnik, Bauphysik, Brandschutz und Schadstoffen und dem Abwägen des besten denkmalpflegerischen Umgangs mit dem UT 2.

Metallpaneele der Außenfassade

Besonders die Metallpaneel-Fassade stellte sich als große Herausforderung und Anlass ausführlicher Diskussionen der Projektbeteiligten dar. Es handelt sich bei den ehemals blauen Thermowand-Sandwichpaneelen der Laborhalle um ein industriell gefertigtes Verbundsystem aus Blech und PUR-Schaum, welches bereits sichtbar geschädigt war. Das bereits im Zuge der Machbarkeitsstudie entwickelte und durch eine Vielzahl von Mustern und Versuchen überprüfte Reparaturkonzept sah vor, die sichtbar rostigen Stellen aus dem äußeren Blech auszuschneiden um dann das übrige Paneel mit einem Reparaturblech komplett zu überdecken. Belastbare Erkenntnisse über den von außen nicht sichtbaren Zustand der Bleche konnten jedoch erst Ende 2015 ermittelt werden, nachdem das statisch und ausführungstechnisch extrem komplexe Gerüst gestellt werden konnte. Erst dann konnten alle Paneele im Rahmen eines Wirbelstromverfahrens mit einer Handsonde abgefahren und analysiert werden. Die Ergebnisse zeigten Tauwasserabfall an der Innenseite der Außenbleche und unerwartet starke innere Korrosion, sodass ein Austausch der Paneele innerhalb der ursprünglichen Konstruktion notwendig wurde.

Röhre

Bei der rosa Röhre wurde durch umfangreiche Untersuchungen nachgewiesen, dass diese trotz eindringender Feuchtigkeit keine gravierenden Schäden aufwies und somit die PU-Hülle nicht ausgetauscht werden musste. Das Reparaturkonzept sah vor, schadhafte und undichte Stellen in Form klassischer Vierungen auszuschneiden, mit neuen Material wieder aufzubauen und der Oberfläche anzugleichen. Die Reparaturstelle ist heute zwar ablesbar, aber kaum wahrnehmbar, da auch die Urbeschichtung handwerklich aufgebracht wurde und – im Gegensatz zur Paneel-Fassade – keine homogene und gleichmäßige Oberfläche aufweist.

Laborhalle und Bausubstanz

Da der UT 2 kein klassisches Gebäude ist, sondern im Grenzbereich zwischen Architektur, Industriebau, Maschine und wissenschaftlichem Gerät liegt, bestand eine besondere Herausforderung auch in seinem Tragwerk und dem Verhalten seiner Gesamtkonstruktion bei laufenden Betrieb. Beim UT 2 besteht der Betrieb aus zwei jeweils 2.750 PS-starken Schiffsdieseln, die einen 4-flügeligen Verstell-Propeller antreiben um insgesamt 3.300 Tonnen Wasser bis zu einer Strömungsgeschwindigkeit von 10 Metern pro Sekunde in Bewegung zu setzen. Diese in „normalen“ Gebäude unüblichen Kräfte müssen vom UT 2 auch in Zukunft aufgenommen werden, ohne dass die entstehenden Schwingungen zu Schäden führen. Aus diesem Grund wurden auch die Standfestigkeit und Tragfähigkeit des UT 2 untersucht. Im Ergebnis konnte nachgewiesen werden, dass aufgrund der Eigenschwingungsanalyse und Betriebsschwingungsformanalysen keine dynamischen Schwachstellen zu erkennen sind und dass auch bei relativ großer Nutzungsdauer keine Schäden an der Struktur zu erwarten sind. Im Zuge der Sanierung wurden die Oberflächen im Inneren der Laborhalle, wie der PVC- Boden und die textile Bespannung der Absturzsicherung, im Original erhalten und lediglich restauratorisch behandelt.

Das Projekt in den Medien

Pressematerial

Die Anmeldung zum Pressegespräch am 23.11.2017, 11 Uhr mit Prof. Philip Kurz (Wüstenrot Stiftung), HG Merz (hg merz architekten) und Prof. Dr.-Ing. Paul Uwe Thamsen (TU Berlin) sowie weitere Informationen und Fotos finden Sie hier

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Ausstellung:Eigentümer/Nutzer:
2010 –HG Merz Architekten Museumsgestalter: Prof. Dr. h.c. HG Merz, Stefan Motz; adb, Ewerien und
Obermann: Steffen Obermann, Ingo Haase; Heimann Ingenieure: Alexander Hensel; GSE Ingenieur-Gesellschaft: Sven Haase; BHR Ingenieurgesellschaft: Gunner Perlitz, Aron Farr; Müller-BBM: André Wittkopf, Helmuth Bachmann, Frank Hülsenberg; KLW Ingenieure: Dr. Wolfgang Menzel; BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung: Joachim Fischer; USP Ultraschall Prüfservice: Thomas Hupatz; Dr. Susanne Salinger Ökologische & Ornithologische Gutachten
BARarchitekten: Antje Buchholz, Jack Burnett-Stuart, Michael von Matuschka,
Jürgen Patzak-Poor sowie Gregor Harbusch
Land Berlin/TU Berlin: Prof. Dr. Paul Uwe Thamsen, Boris Höppner, Carsten Funke, Prof. Dr. Andrés Cura Hochbaum, Julia Köller, Lars Oeverdieck,
Karsten Rieck, Norbert Schönfeld, Martin Schwacke