Umlauftank 2 von Ludwig Leo in Berlin

Umlauftank 2, Außenansicht nach der Instandsetzung (Foto: Philip Lohöfener © Wüstenrot Stiftung)

Umlauftank 2, Außenansicht nach der Instandsetzung (Foto: Philipp Lohöfener © Wüstenrot Stiftung)

Seit 1974 sticht der Umlauftank 2 (UT 2) von Ludwig Leo dramatisch aus dem Berliner Stadtbild hervor. Der Umlauftank 2 ist jedoch kein klassisches Gebäude, sondern liegt im Grenzbereich zwischen Architektur, Industriebau, Maschine und wissenschaftlichem Gerät. Nach Fertigstellung der Gesamtinstandsetzung wird er ab 2019 – seiner ursprünglichen Funktion folgend – von der Technischen Universität Berlin wieder für Versuche mit Schiffsmodellen, für Widerstands-, Freifahr-, Propulsions-, Manövrier- und Kavitationsversuche sowie zur Strömungsbeobachtung genutzt.

Mit einer Machbarkeitsstudie lotete die Wüstenrot Stiftung ab 2012 die grundsätzlichen Instandsetzungsmöglichkeiten des Umlauftanks aus. Der UT 2 ist ein sehr junges Denkmal und steht exemplarisch für die zum Teil schlechten Alterungseigenschaften seiner Materialien. Neben umfangreichen Archivrecherchen zur Sicherung und Auswertung von zeitgeschichtlichem und bauhistorischem Material sowie der Veränderungsgeschichte, einer baulichen Bestandsaufnahme und der Einschätzung des Bestands hinsichtlich seiner Originalität lag ein Schwerpunkt der Arbeiten deshalb auf dem Untersuchen und Bewerten von Bausubstanz, Tragwerk, Haustechnik, Bauphysik, Brandschutz und Schadstoffen und dem Abwägen des besten denkmalpflegerischen Umgangs mit dem UT 2.

2014 begannen die Planungsarbeiten durch die Architekten/innen HG Merz aus Stuttgart und adb aus Berlin. Bei der Instandsetzung wurden umfangreiche materialtechnische Forschungsarbeiten geleistet, um trotz großflächiger Schäden die Gebäudesubstanz in maximaler Authentizität innen und außen zu erhalten. So wurde bei der rosa Röhre durch umfangreiche Untersuchungen nachgewiesen, dass die Hülle aus PU-Schaum trotz eindringender Feuchtigkeit nicht komplett ausgetauscht werden musste. Stattdessen konnten schadhafte und undichte Stellen in Form klassischer Vierungen ausgeschnitten, mit neuem Material wiederaufgebaut und die Oberflächen angeglichen werden. So sind die Reparaturstellen heute zwar ablesbar, aber kaum wahrnehmbar, da auch die Urbeschichtung handwerklich aufgebracht wurde und – im Gegensatz zur Paneel-Fassade – keine homogene Oberfläche aufweist.

Die Reparatur- und Instandsetzung des UT 2 wurde durch eine eigens konzipierte Ausstellung in Berlin, Stuttgart und London mit dem Titel „Ludwig Leo Ausschnitt“ von BARarchitekten und Gregor Harbusch flankiert, um die Bedeutung von Leos Werk der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Seit Ende 2017 strahlt der Umlauftank, gemäß originalem bauzeitlichen Befund, wieder in seinen leuchtenden Farben Blau und Rosa. Seine ursprüngliche Funktion bleibt auch in Zukunft für Forschungen im Bereich der Dynamik und des Entwurfs maritimer Systeme, der Fluidsystemdynamik und der experimentellen Strömungsmechanik erhalten. Im November 2017 wurde der UT 2 nach der Instandsetzung wieder feierlich an seine Eigentümerin, die TU Berlin, übergeben.

Instawalk

Zur Feier der abgeschlossenen Gebäudesanierung lud die Wüstenrot Stiftung in Zusammenarbeit mit Artefakt Kulturkonzepte im November 2017 zum gemeinsamen „Instawalk“ durch den UT 2. 50 Instagramer erkundeten dabei den Umlauftank 2 mit ihren mitgebrachten Handys und Kameras bis in den kleinsten Winkel. Die Ergebnisse dieses gemeinsamen fotografischen Spaziergangs wurden unter den gemeinsamen Hastags #wuestenrotstiftung und #umlauftank auf Instagram weltweit geteilt.

25.11.17 Instawalk, Umlauftank 2 (UT2)

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Bilder finden unter #wuestenrotstiftung und #umlauftank

Die Instandsetzung

Der UT 2 ist ein sehr junges Denkmal und steht exemplarisch für die z. T. schlechten Alterungseigenschaften seiner Materialien. Neben umfangreichen Archivrecherchen zur Sicherung und Auswertung von zeitgeschichtlichem und bauhistorischem Material sowie der Veränderungsgeschichte, einer bauliche Bestandsaufnahme und der Einschätzung des Bestandes hinsichtlich seiner Originalität lag ein Schwerpunkt der Arbeiten deshalb auf dem Untersuchen und Bewerten von Bausubstanz, Tragwerk, Haustechnik, Bauphysik, Brandschutz und Schadstoffen und dem Abwägen des besten denkmalpflegerischen Umgangs mit dem UT 2.

Metallpaneele der Außenfassade

Die Metallpaneel-Fassade jedoch stellte sich als große Herausforderung und Anlass für ausführliche Diskussionen der Projektbeteiligten dar. Die Sandwichpaneele der Laborhalle sind ein industriell gefertigtes Verbundsystem aus Blech und PUR-Schaum, welches bereits sichtbar verrostet war. Das bereits im Zuge der Machbarkeitsstudie entwickelte und durch eine Vielzahl von Mustern und Versuchen überprüfte Reparaturkonzept sah vor, die sichtbar rostigen Stellen aus dem äußeren Blech auszuschneiden, um dann das übrige Paneel mit einem Reparaturblech komplett zu überdecken. Belastbare Erkenntnisse über den von außen nicht sichtbaren Zustand der Bleche konnten jedoch erst Ende 2015 ermittelt werden, nachdem das statisch und ausführungstechnisch extrem komplexe Gerüst gestellt werden konnte. Erst dann konnten alle Paneele im Rahmen eines Wirbelstromverfahrens mit einer Handsonde abgefahren und analysiert werden. Die Ergebnisse zeigten Tauwasserabfall an der Innenseite der Außenbleche und unerwartet starke innere Korrosion, sodass ein Austausch der Paneele innerhalb der ursprünglichen Konstruktion notwendig wurde.

Bausubstanz

Da der UT 2 kein klassisches Gebäude ist, bestand eine besondere Herausforderung auch in seinem Tragwerk und dem Verhalten seiner Gesamtkonstruktion bei laufendem Betrieb. Beim UT 2 besteht der Betrieb aus zwei jeweils 2.750 PS-starken Schiffsdieseln, die einen vierflügeligen Verstellpropeller antreiben, um insgesamt 3.300 Tonnen Wasser bis zu einer Strömungsgeschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde in Bewegung zu setzen. Diese in „normalen“ Gebäude unüblichen Kräfte müssen vom UT 2 auch in Zukunft aufgenommen werden, ohne dass die entstehenden Schwingungen zu Schäden führen.

Laborhalle und Innenraum

Im Innenbereich des UT 2 waren nur wenige Schäden erkennbar, lediglich dem Alter und der Nutzung entsprechende Abnutzungserscheinungen: So zeigten sich durch eine nicht mehr intakte Dachabdichtung an den Innenseiten der Wände Ablaufspuren durch eindringendes Wasser. Eine neue Dachdämmung und -abdichtung konnte dies beheben. Defekte Lichtkuppeln und Dachentlüfter wurden ausgetauscht. Die bauzeitlichen Holzfenster des UT 2 wurden saniert und unter Beibehaltung der originalen Zweifachverglasung wieder eingebaut. Die Bodenbeläge der Innenräume erfuhren eine Tiefenreinigung und wurden neu versiegelt. In der Laborhalle wurden die bauzeitlichen Stoffbespannungen an den Geländern ausgebessert und gereinigt.

Neben den genannten Maßnahmen wurde auch eine brandschutztechnische Ertüchtigung und Erweiterung der Brandmeldeanlage unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten durchgeführt. So waren die Außenwände im Fluchttreppenhaus bauzeitlich an der Innenseite mit Asbestplatten als Brandschutz verkleidet worden. An diesem wurden Ausblühungen und Risse festgestellt. Das Treppenhaus war aufgrund der hohen Schadstoffbelastung für den Normalbetrieb gesperrt. Hier wurden eine Asbestsanierung des Treppenhauses vorgenommen und neue Sandwichpaneelen mit Brandschutzqualität eingebaut.

Maschine

Zur Betriebstechnik der Versuchsanlage UT 2 gehören neben der Antriebseinheit zur Erzeugung der Umlaufströmung diverse Nebenaggregate und Förderanlagen zum Befüllen der Ringrohrleitung sowie zur Erzeugung des Unterdrucks im Umlauftank. Auch diese müssen nach 40 Jahren instand gesetzt werden. Die Instandsetzung wird von der Technischen Universität Berlin sowie den Fachbereichen Fluidsystemdynamik und Dynamik Maritimer Systeme verantwortet. Es werden insbesondere die beiden Dieselmotoren überholt, das Hauptlager erneuert und der bewegliche Boden repariert. Zudem sollen dann noch weitere messtechnische Einrichtungen überarbeitet bzw. angeschafft werden. So kann sichergestellt werden, dass die Technische Universität Berlin mit dem UT 2 auch in Zukunft weiterhin auf höchstem Niveau forschen und sich im internationalen Wettbewerb behaupten kann.

Das Projekt in den Medien

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
2013 – 2017HG Merz Architekten Museumsgestalter,
Stuttgart und Berlin: Prof. Dr. h.c. HG Merz, Stefan Motz,
Robert Hoh; Büro für Architektur, Denkmalpflege und
Bauforschung adb, Ewerien und Obermann, Berlin: Steffen
Obermann, Ingo Haase; Heimann Ingenieure, Berlin: Ulrich Heimann, Alexander Hensel, Marcus Sachau; GSE Ingenieur-
Gesellschaft, Berlin: Sven R. Haase, Jürgen Marschner, Sven
Pöhner; BHR Ingenieurgesellschaft, Berlin: Aron Farr, Gunner
Perlitz; Müller-BBM, Berlin: Helmuth Bachmann, Andreas
Etzholz, Frank Hülsenberg, André Wittkopf; KLW Ingenieure,
Berlin: Dr. Wolfgang Menzel; Bundesanstalt für Materialforschung
und -prüfung BAM, Berlin: Joachim Fischer; USP
Ultraschall Prüfservice, Berlin: Thomas Hupatz; Dr. Susanne
Salinger Ökologische & Ornithologische Gutachten, Berlin:
Dr. Susanne Salinger; Beratung Schwingungsverhalten:
Prof. Dr. Waldemar Stühler, Berlin; Beratung Versuchsanlage:
Werner Preuß, Berlin.
Außerdem 41 Unternehmen in der Bauausführung
Ausstellung: BARarchitekten, Berlin: Antje Buchholz, Jack
Burnett-Stuart, Michael von Matuschka, Jürgen Patzak-Poor
sowie Gregor Harbusch
Denkmalbehörden: Landeskonservator Prof. Dr. Jörg Haspel,
Sybille Haseley, Guido Schmitz
Land Berlin/TU Berlin: Prof. Dr. Paul Uwe
Thamsen, Prof. Dr. Andrés Cura Hochbaum, Sabine Czajka,
Carsten Funke, Boris Höppner, Julia Köller, Karsten Rieck,
Norbert Schönfeld, Martin Schwacke