Stadtbad Halle

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Die ehemalige Frauenschwimmhalle im Stadtbad Halle (Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung)

Im Zuge der Lebensreformbewegung entstanden um die Jahrhundertwende in deutschen Städten sogenannte „Volksbäder“, so auch in Halle an der Saale. Das Stadtbad wurde 1912 bis 1915 nach Plänen des Stadtbaurates Wilhelm Jost errichtet, der auch die bekannten Anlagen des Solbades Wittekind und die Kuranlagen in Bad Nauheim schuf. Es galt bei seiner Errichtung als eines der größten und modernsten Volksbäder. Der zentral gelegene, stadtbildprägende und in Anlehnung an Historismus und Jugendstil errichtete Bau besteht aus zwei Schwimmhallen. Das größere rechteckige Schwimmbecken war ursprünglich den Männern, die kleinere ovale Anlage den Frauen vorbehalten. Zahlreiche Wannen- und Brausebäder sowie ein römisch-irisches Bad gaben dem Gesamtensemble seinen auf die Volksgesundheit hin orientierten Charakter. Ein massiver Turm, der einen Wasserbehälter zur Versorgung der Schwimmbäder enthält, unterstrich die städtebauliche Signifikanz. Das Innere des Baus ist durch dekorative Baukeramiken in den Formen des Jugendstils ausgeschmückt. Bis heute erfreut sich das Stadtbad großer Beliebtheit und ist ein wichtiger kultureller Treffpunkt in der Stadt.

Die Wüstenrot Stiftung engagierte sich zwischen 1994 und 1997 auf verschiedene Weise bei der Sanierung und Instandsetzung des Stadtbades, zunächst über die Förderung einer Machbarkeitsstudie, über eine denkmalpflegerisch behutsame Innenmodernisierung des Bades und Hinzufügung neuer Nutzungen (Arztpraxen, Cafeteria u.a.). In der Folge übernahm sie die Außensanierung des Stadtbades mit dem Ziel, den Charakter des Volksbades zu erhalten und durch die Instandsetzung noch zu steigern. In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmal- und Bauamt wurden die Fassaden von Vorderhaus, Seitenflügel und Eingangshalle instandgesetzt und erneuert. Die Maßnahmen umfassten auch die Sanierung der Sprossenfenster, die Restaurierung der Steinplastiken im Eingangsbereich sowie des Uhrengehäuses an der Eingangsfassade. Die Dachsanierung übernahm die Stadt Halle.

1997 wurden die Sanierungsarbeiten vollendet. Die in der Nutzungskonzeption der Wüstenrot Stiftung dargelegten Vorschläge für die innere Modernisierung und eine zeitgerechte Nutzung von Vorderhaus und Seitenflügel wurden von der Stadt aufgegriffen. Nach wie vor wird das Stadtbad von der Bürgerschaft unterstützt und von breiten Schichten der Bevölkerung genutzt. Inszwischen ist es in das Eigentum der Stadtwerke übergegangen, welche das Bad in Form und Funktion aufrechterhalten möchten.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
1994 – 1997Arch.-Büro Dr. Stelzer und Zaglmaier, HalleStadt Halle/Stadtwerke