Mosaik-Außenwandbild „Der Mensch in Beziehung zu Natur und Technik“ von Josep Renau in Erfurt

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Wandbild „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau (1907-1982) in Erfurt. Es befand sich am ehemaligen Kultur- und Freizeitzentrum im Wohngebiet Nordhäuser Straße und besteht aus 68.000 Glasfliesen . Das Mosaik steht unter Denkmalschutz, daher wurde es beim Abriß des Gebäudes eingelagert. Es war die letzte große Arbeit von Josep Renau.

(Foto © SpreeTom, nach CC BY-SA 3.0 )

Ich male nicht für das Zentralkomitee, ich male nicht für die Partei, ich male nicht für die Kunstkritiker, sondern ich male für die Leute, die sich nicht für Malerei interessieren. (…) Damit die Leute heute Kunst zu sehen bekommen, müssen sie in ein Museum, eine Galerie oder eine Ausstellung gehen, aber das ist nach meiner Ansicht falsch, denn die Kunst muss zum Menschen kommen, in jedes Haus, ohne zu fragen!“, so der spanische Künstler Josep Renau 1980 in einem Vortrag in Erfurt.

Die Wüstenrot Stiftung verfolgt mit unterschiedlichen Projekten die Erforschung, Erhaltung und Sichtbarmachung von kulturellem Erbe in Deutschland, zu dem auch das kulturelle Erbe der DDR zählt. Obwohl sich auch dieses durch große schöpferische Leistungen auszeichnet, ist es durch fehlende Wertschätzung immer noch besonders gefährdet. Mit dem ca. 7 x 30 m großen Mosaik-Außenwandbild „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau restauriert die Wüstenrot Stiftung erstmals exemplarisch ein monumentales Werk architekturbezogener Kunst im öffentlichen Raum der DDR. Renaus bildliche Fantasien haben im mexikanischen Muralismo ihr Vorbild. In Renaus Bilder flossen jedoch auch vielfältige formale Anregungen der Klassischen Moderne ein, die nicht unter die idealtypischen Charakteristika des Sozialistischen Realismus fallen.

Die Restaurierung

Nach seiner Restaurierung wird das Werk auf einer neuen Betonkonstruktion am ursprünglichen Ort des ehemaligen Kultur- und Freizeitzentrums am Moskauer Platz in Erfurt wieder aufgestellt. Als Architekten wurden Spangenberg + Braun, Erfurt; Tragwerksplanung: Dr. Josef Trabert, Geisa, beauftragt.

Zur Ermittlung der materialgerechten Fixierung werden vor allem umfangreiche Untersuchungen der rückseitigen bauzeitlichen Mörtelschicht des Mosaiks u. a. mithilfe eines Klimakammertests durchgeführt. Nach einer Teilabnahme des Originalmörtels werden die ca. 70.000 Glasfliesen in 252 Teilflächen auf spezielle, für die Wiederanbringung des Mosaiks hergestellte Betonfertigteile appliziert und voraussichtlich Ende 2018 auf die vorbereitete Trägerstruktur am geplanten Aufstellungsort eingehängt.

Eine umfangreiche Dokumentation wird die Geschichte und Bedeutung des Wandbilds erläutern und die technischen Aspekte sowie die eingesetzten Konservierungs- und Restaurierungstechnologien beschreiben, sodass die bei den Arbeiten gewonnenen Erkenntnisse auch für andere Projekte nutzbar werden. Zur Vermittlung des Projekts fand außerdem im April und Mai 2017 eine Ausstellung im Angermuseum in Erfurt statt.

Das Projekt in den Medien

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
seit 2014Spangenberg + Braun – Freie Architekten,
Erfurt: Frank Spangenberg, Anne Reinke; Trabert + Partner,
Ingenieurbüro für Statik und Konstruktion, Geisa: Dr. Josef
Trabert; Restaurator Peter Jung, Weimar; Dr. Uwe Erfurth, Bad
Kohlgrub, Sachverständiger (Bauschäden, Umweltverschmutzung,
Denkmalpflege, Putz, Naturstein, Beton); Bauforschung
Wilma Rambow, Leipzig Projektbezogener Beirat: Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg,
Dresden, und Diplom-Malerin Marta Hofmann, Müncheberg-
Bienenwerder (Zeitzeugin/Mitarbeiterin von Josep Renau) Publikation: Dr. Oliver Sukrow und 20 weitere Autoren/innen
Denkmalbehörden: Landeskonservator Dr. Holger Reinhardt,
Sibylle Lohse, Katja Sterzl
Landeshauptstadt Erfurt: Kulturdirektor Dr. Tobias
J. Knoblich