Meisterhaus Muche/Schlemmer in Dessau

Muche/Schlemmer-Meisterhaus in Dessau

Straßenansicht nach der Wiederherstellung (Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung)

Die Revitalisierung von herausragenden Baudenkmälern ist eine Herausforderung und ein unbedingter Qualitätsanspruch muss in allen Phasen der Analyse, Planung und Ausführung der Baumaßnahme gewährleistet sein. Viel Zeit und Mühe hat die Revitalisierung des von Walter Gropius für die Bauhausmeister Oskar Schlemmer und Georg Muche entworfenen Doppelhauses beansprucht – Zeit insbesondere für das umfangreiche Quellenstudium und die gründliche Denkmalerforschung, für die vorbereitenden Untersuchungen und die Erarbeitung der denkmalpflegerischen Zielsetzung. Nach dreijähriger Planungs- und Bauzeit konnte das Gebäude im März 2002 eröffnet werden. Das Muche/Schlemmer-Haus wird vom Design-Zentrum Sachsen-Anhalt für Ausstellungen und Präsentationen sowie von der Stiftung Bauhaus Dessau für Studienzwecke und als Gästehaus genutzt.

Als federführende und verantwortliche Bauherrin hatte die Wüstenrot Stiftung vor allen baupraktischen Überlegungen zunächst mit ihrem wissenschaftlichen Beirat, der Stadt Dessau und den Landesbehörden die denkmalpflegerische Grundsatzfrage zu klären und zu entscheiden. Nach schwierigen und langdauernden Verhandlungen einigte man sich schließlich auf eine Wiederherstellung der äußeren Architekturgestalt des Meisterhauses bei gleichzeitiger Berücksichtigung wichtiger Zeitspuren aus der Nutzungsgeschichte.

Der Konflikt um diese Leitvorstellungen gehört zur Chronik der Revitalisierung des Meisterhauses. Die Wüstenrot Stiftung und ihr wissenschaftlicher Beirat haben die getroffene Entscheidung bewusst mitgetragen in der Absicht, der Bau- und Nutzungsgeschichte des Meisterhauses gerecht zu werden. Dieses Ziel konnte nicht allein auf Basis gründlicher restauratorischer Untersuchungen erreicht werden, sondern bedurfte ebenfalls die hervorragenden Leistungen der beteiligten Fachleute und Handwerker.

So konnte beispielsweise die Hälfte der noch bauzeitlichen Fenster durch Reparatur erhalten oder die besonders geformten Heizkörper aus den 50er Jahren für ihre Weiternutzung gebrauchstüchtig gemacht werden. Im Bereich des Rückbaus waren entscheidende Bauarbeiten die Wiedergewinnung der für das Meisterhaus prägenden Studioräume und Fensterflächen und die übergreifenden Treppenaufbauten. Vor allem aber wurden Putz und Farbfassungen für Restauratoren und Handwerker zur besonderen Herausforderung. So gelang es an den Außenflächen, den unter einer Rauhputzkruste der 50er Jahre in großflächigen Resten noch vorhandenen originalen Putz freizulegen, zu sichern und somit die überraschende Farbigkeit des Muche/Schlemmer-Meisterhauses einer staunenden Fachwelt zu präsentieren.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
1998 – 2002Arch.-Büro Brenne, BerlinStadt Dessau/Stiftung Bauhaus Dessau