Meisterhaus Kandinsky/Klee in Dessau

Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung

Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung

Das Meisterhaus Kandinsky/Klee (1925/1926) ist Teil des von Walter Gropius geplanten Ensembles für die Bauhausmeister in Dessau. Aufgrund seiner Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität ist es, zusammen mit dem Meisterhausensemble und dem Bauhausgebäude in Dessau sowie den Bauhausbauten in Weimar, seit 1996 UNESCO-Welterbestätte. Die Gruppe der Meisterhäuser ist eine herausragende baukünstlerische Leistung des Bauhauses: Durch die Verwendung gleicher Elemente dokumentieren sie das Streben nach Typisierung des Bauens. Besondere Bedeutung haben die Meisterhäuser auch als Wohn- und Arbeitsorte der weltweit herausragenden Künstlerpersönlichkeiten wie Wassily Kandinsky und Paul Klee, die das Innere der Häuser, durchaus auch im Gegensatz zu den Vorstellungen von Walter Gropius, prägten.

Wegen des hohen Erhaltungsgrades seiner bauzeitlichen Substanz ist das Meisterhaus Kandinsky/Klee für die Präsentation des Bauhauserbes von besonderer Bedeutung. Durch seine hervorragende Befundlage – insbesondere in Bezug auf die Farbigkeit der Oberflächen – kann hier die Aneignung des Hauses durch die Meister Wassily Kandinsky und Paul Klee zwischen 1926 und 1933 in besonderer Weise thematisiert werden: Der Besucher kann in den Räumlichkeiten erleben, wie die beiden Meister gelebt und gearbeitet haben, wie Paul Klees Werke entstanden sind oder wie Nina Kandinsky Rosen gezüchtet hat. Das Doppelhaus mit seinen farbigen Wänden in Weiß, Schwarz, Rosa, Gelb oder Gold ist Ausdruck ihres spezifischen Gestaltungswillens, mit dem Kandinsky und Klee nicht nur ihre verschiedenen kulturellen Wurzeln, sondern auch ihre Lebensmodelle manifestiert haben.

Zwar fand die letzte Sanierung des Meisterhauses Kandinsky/Klee erst vor knapp 20 Jahren statt, Bauten der klassischen Moderne machen aufgrund ihrer experimentellen Bauweisen jedoch in kürzeren Abständen Maßnahmen zur Schadensbehebung und Restaurierung erforderlich. So wird das Haus als Erbe des Bauhauses langfristig erhalten und im Gedächtnis der Gesellschaft verankert.

Feierliche Wiedereröffnung

Zur Wiedereröffnung des Meisterhauses Kandinsky/Klee nach der Instandsetzung und Restaurierung boten die Wüstenrot Stiftung und die Stiftung Bauhaus Dessau ein umfangreiches Programm mit Fachvorträgen und Podiumsdiskussion im Bauhausgebäude, zu welchem die Öffentlichkeit herzlich eingeladen war!

Fachvorträge
16.30 Uhr bis 18.00 Uhr

Dr. Claudia Perren
Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau
Begrüßung

Prof. Philip Kurz
Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung
Einführung

Winfried Brenne
Geschäftsführer Brenne Architekten
Die Instandsetzung

Peter Schöne
Diplom-Restaurator
Die Restaurierung der Oberflächen

Monika Markgraf
Bauforschung und Denkmalpflege
Stiftung Bauhaus Dessau
Das Haus und seine Geschichte

Dr. Florian Strob
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Direktorat
Stiftung Bauhaus Dessau
Die kuratorische Neuausrichtung

Podiumsdiskussion
18.00 Uhr bis 19.30 Uhr

Zum denkmalpflegerischen Umgang mit dem Meisterhaus Kandinsky/Klee
Moderation: Friederike Meyer

Dr. Ulrike Wendland
Landeskonservatorin Sachsen-Anhalt

Winfried Brenne
Geschäftsführer Brenne Architekten

Prof. Dr. Adrian von Buttlar
wissenschaftlicher Beirat der Wüstenrot Stiftung

Prof. Philip Kurz
Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung

Monika Markgraf
Bauforschung und Denkmalpflege
Stiftung Bauhaus Dessau

Musik: Moritz Schneidewendt – Klarinette / William Overcash – Violine

Worte zur Wiedereröffnung
Dr. Claudia Perren,
Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau

Joachim E. Schielke,
Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Stiftung

Veranstaltungsort:

Mittwoch, 17. April 2019
Aula, Bauhaus Dessau, Gropiusallee 38,
06846 Dessau-Roßlau

Konkrete Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten

Seit der Instandsetzung der Meisterhäuser in den Jahren 1999/2000 sind noch keine 20 Jahre vergangen, dennoch hat die intensive Nutzung des Meisterhauses Kandinsky/Klee als Museum seine Spuren hinterlassen. Eben diese Nutzung setzte dem Meisterhaus erheblich zu: fleckige Wände, Macken im Putz und auf den Böden und zahlreiche weitere Schäden und Störungen, die erneute Maßnahmen erforderlich machten. Ein wichtiger Teil der Instandsetzung und Restaurierung des Meisterhauses war die Erneuerung der Farbigkeit und Struktur aller Oberflächen, die – vor Durchführung der Maßnahmen – zunächst umfangreichst (über 100 verschieden gefasste Oberflächen!) wissenschaftlich untersucht wurde. In einem restauratorischen Farbkonzept wurde im Anschluss genau festgelegt, wie mit welcher Oberfläche umzugehen ist, um den Zustand der letzten Fassung beim Auszug beider Künstler 1933 wiederherzustellen, ohne die Alterungsspuren zu überfassen. Auch der historische Triolin-Fußbodenbelag – ein Material, das um 1926 gerne als Ersatz für das damals sehr teure Linoleum verwendet wurde – wurde mit Hilfe von Restbeständen bauzeitlichen Triolins erhalten und restauriert. Die Dächer wurden einschließlich der Attiken und Anschlussdetails vollständig instandgesetzt. Notwendige Reparaturen wurden an den Fassaden und feuchten Kellerwänden durchgeführt. Gravierende Störungen, wie beispielsweise die 1999/200 eingebaute Klimaanlage oder der Durchbruch, der die Wohnzimmer beider Haushälften verband, wurden rückgebaut. Im Mittelpunkt des instandgesetzten und restaurierten Meisterhauses stehen nun wieder die Architektur, der ganzheitliche Raumeindruck und der Gestaltungsgedanke, die dem Besucher ein Bild davon vermitteln, wie Gropius das Haus einst geplant hat und wie Kandinsky und Klee das Haus mit ihren Familien genutzt haben.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
2017 – 2019Brenne Architekten, Berlin: Winfried Brenne,
Anna-Sophie Pradel, Manuel Vitt; Atelier Schöne Konservierung
und Restaurierung, Halle: Peter Schöne, Henry Krampitz;
Dresden; IFB Ingenieure, Berlin: Friedemann Stahl (Technische
Gebäudeausrüstung); Ingenieurbüro Dr. Carsten Riedel, Dessau-
Roßlau (Tragwerksplanung); Ingenieurbüro Klaus Meermeier,
Berlin (Gebäudeschäden); Ingenieurbüro NovaBiotec, Berlin
(Schadstoffe): Bert Kühl; Restauratorische Beratung:
Prof. Dr. Thomas Danzl, Dresden
Denkmalbehörden: Landeskonservatorin Dr. Ulrike Wendland,
Monika Lüttich
Stiftung Bauhaus Dessau: Dr. Claudia
Perren, Frank Assmann, Monika Markgraf, Dr. Werner Möller