Marientor in Naumburg

Gesamtanlage des Stadttores im Jahr 2010 (Foto © Thomas Wolf, Gotha)

Gesamtanlage des Stadttores im Jahr 2010 (Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung)

Das Naumburger Marientor ist die einzige erhaltene von ehemals fünf Toranlagen der Stadtbefestigung, die in den Ursprüngen vermutlich in das 13./14. Jahrhundert zurückreicht. Beim Um- und Neubau in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhielt das Marientor eine Barkabane, das heißt, dem vorhanden Tor wurde ein zweites vorgebaut. Der Raum zwischen den Toren wurde als Stützpunkt für Geschütze genutzt. Die Doppeltoranlage des Marientors gilt als wichtiges Kulturerbe, weil es nur noch wenige derartige Anlagen in Deutschland gibt.

Gemeinsam mit der Stadt Naumburg übernahm die Wüstenrot Stiftung 1996 die Bauherrschaft für eine umfassende äußere und innere Instandsetzung des Marientors. Als Problem erwiesen sich statische Veränderungen im Gesamtgefüge des Baukörpers mit der Folge von Rissbildungen. Hinzu kamen massive Durchfeuchtungen des Mauerwerks. Auf jeder Geschossebene wurden daher Spannanker in den Wandquerschnitt eingebaut. Zusätzlich wurden zur Stabilisierung ein Meter lange Stahlnadeln senkrecht zur Wand eingeführt, die Hohlräume mit geeignetem Material verpresst.

Die Fassaden wurden von der bestehenden Gipskruste gereinigt und die Fugen mit neuem Material verschlossen. Die Zinnen mussten abgebrochen und neu aufgemauert werden. Es wurde entschieden, alle Fassaden des Marientors weiß zu verputzen und die darunter liegende historische Textur nicht freizulegen, um einen stimmigen Gesamteindruch zu gewährleisten. Um die Nutzbarkeit des Innenhofes bei allen Wetterlagen zu ermöglichen, wurde eine Überspannung mit einem temporären Zeltdach von der Stiftung in Auftrag gegeben.

Im Juni 2001 wurde das Marientor der Stadt Naumburg wieder übergeben. Das reizvolle historische Ambiente wird für attraktive Kulturveranstaltungen mit überregionaler Ausstrahlung genutzt.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
1997 – 2000Arch.-Büro Feulner und Häffner, Weißenburg; Zeltdach: Burkhardt & Schumacher, BraunschweigStadt Naumburg