Mariendom von Gottfried Böhm in Neviges

Mariendom bei Nacht (Foto: Dinnebier-Licht, Wuppertal)

Der Mariendom im Wallfahrtsort Neviges ist einer der bedeutendsten Kirchenbauten des 20. Jahrhunderts. Die einzigartige Beton-Faltwerk-Konstruktion über frei-polygonalem Grundriss überspannt eine Grundfläche von ca. 2.800 Quadratmetern und ist ein Hauptwerk des Architekten und Pritzker-Preisträgers Gottfried Böhm (*1920). Die Stellung des Mariendoms in der Geschichte der Kirchenbaukunst ist international bedeutsam. Der Mariendom kann dem Brutalismus ebenso zugeordnet werden wie dem sogenannten Betonexpressionismus. 1968 wurde von Kardinal Frings die erste Heilige Messe im Mariendom gefeiert. Seit 1995 steht er mit seinen angrenzenden Gebäuden als Ensemble unter Denkmalschutz.

Die Betonkonstruktion erinnert an die Form ineinandergeschobener Zelte, deren Spitzen zu Gipfeln gesteigert sind. Die Last der 25 Zentimeter dicken fugenlosen Dachfläche liegt auf den Außenwänden und sechs unauffälligen Stützen, die um den Hauptraum herum platziert sind. Der Mariendom vermittelt den Eindruck einer abstrakten Monumentalskulptur und zeigt Böhms Auffassung von der Architektur als Plastik, die künstlerische Gestalt und einprägsame Bildhaftigkeit vereinigt.

(Foto Philip Kurz © Wüstenrot Stiftung)
Sanierungsmuster Sakramentskapelle (Foto © Thomas Knappheide)
(Foto © Thomas Knappheide)

Die Instandsetzung

Der Bau ist heute reparaturbedürftig, besonders am monolithischen Betondach bestehen Undichtigkeiten und Feuchteprobleme. Zudem konnte eine 1989 aufgebrachte Beschichtung die Undichtigkeiten nicht nachhaltig beheben, beeinträchtigt aber seitdem das skulpturale Erscheinungsbild des Mariendoms.

Die Wüstenrot Stiftung unterstützt die Erzdiözese Köln bei der Reparatur und Instandsetzung des Mariendoms und damit die Rettung eines herausragenden modernen Kirchenbaus. Im Zuge des Projekts sollen auch neue Erkenntnisse für die Denkmalpflege, insbesondere im Bereich der Betonsanierung, gewonnen werden. Hierfür wird der Einsatz von neuen Beschichtungen, z. B. aus dem Bereich des Brücken- und Wasserbaus, getestet. Zudem werden umfangreiche Versuchsreihen eingerichtet und Musterflächen angelegt, um letztendlich den besten Umgang mit dem Denkmal zu finden.

Die im Vorfeld der Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten notwendigen Untersuchungen dauern an.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
seit 2015Gottfried Böhm; Peter Böhm Architekten,
Köln: Prof. Peter Böhm; Beratung Wüstenrot Stiftung: Steffen
Obermann, Berlin, Hubert Baumstark, Karlsruhe
Denkmalbehörden: Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke
Erzbistum Köln: Kardinal Erzbischof Rainer Maria
Woelki, Erzdiözesanbaumeister Martin Struck