Literatur bewahren! Annette Kolb

Mit dem Buch “Annette Kolb: Werke“ erscheint die inzwischen neunte Edition in der Reihe der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Wüstenrot Stiftung. In diesem Kooperationsprojekt werden literarische Werke, die aus dem kulturellen Gedächtnis zu fallen drohen, neu ediert und dem heutigen Lesepublikum wieder zugänglich gemacht. Jede Edition wird von einer Schriftstellerin, einem Schriftsteller als „Pate“ begleitet. Sie erläutern in einem einführenden Essay die Bedeutung des jeweiligen Werkes. In der neuen Ausrichtung der Editionsreihe auf Autorinnen des 20. Jahrhunderts Hermynia Zur Mühlen (2018) und Mechtilde Lichnowsky (2019). Die Editionen erscheinen unter dem Reihentitel »Bibliothek Wüstenrot Stiftung. Autorinnen des 20. Jahrhunderts«.

Annette Kolbs Werk ist eigensinnig. Von den ersten Prosaskizzen 1899 bis zu den letzten Einmischungen in zeitbezogene Debatten als 95-jährige zeigt sich die Autorin stets als kritische Beobachterin ihrer Zeit. Als Kind einer Pariserin und eines Bayern erfuhr sie die Zugehörigkeit zu zwei Vaterländern als beglückende Bereicherung wie als mörderischen Zwiespalt, während des Krieges als öffentliches Skandalon, zu dem sie sich unerschrocken bekannte. Die Umbrüche in der Geschlechterdebatte begleitete und lebte sie mit eigenen Vorstellungen. Die Katholikin kannte Gott und die Welt, verkehrte unter Diplomaten, Adligen, Politikern und Intellektuellen in ganz Europa, bis sie vertrieben wurde ins amerikanische Exil und im Alter als große femme de Lettres nach München zurückkehrte.
Ihrem Werk, das nun in einer sorgfältig kommentierten Neuedition wieder zugänglich gemacht wird, liegt stets Selbsterlebtes, Selbstbeobachtetes, Selbstgedachtes zugrunde. Die Herausgeber Hiltrud und Günter Häntzschel präsentieren neben den drei vielgelesenen Romanen »Das Exemplar« (1913), »Daphne Herbst« (1928) und »Die Schaukel« (1934) zahlreiche Erzählungen, bislang verschollene Feuilletons und biographische Porträts der großen Schriftstellerin. Ihre ausführlichen Anmerkungen erschließen die vielfältigen Anspielungen auf Begegnungen, Lektüren und historische Ereignisse und dokumentieren die Rezeption eines seinerzeit viel beachteten Werkes. Der Schriftsteller und Literaturkritiker Albert von Schirnding stellt in einem einleitenden Essay das vielseitige Werk Annette Kolbs vor.

IMPRESSIONEN VON DER BUCHPRÄSENTATION IM LITERATURHAUS STUTTGART AM 27.02.2018

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