Land und Leute – Kleine Gemeinden gestalten ihre Zukunft im demografischen Wandel!

Der demografische Wandel stellt viele kleine Gemeinden in Deutschland vor besonders schwierige Aufgaben. Sinkende Geburtenzahlen, die Ab­wanderung der Jüngeren und die Auswirkungen des wirtschaftlichen Strukturwandels können einen überdurchschnittlichen Bevölkerungsrück­gang und einen schnell wachsenden Anteil älterer Menschen verursachen. Eine wachsende Zahl leer stehender Gebäude, eine drohende Verödung des Ortskerns und ein schwindendes Angebot an Nahversorgung und an örtlichen Dienstleistungen gehören zu den Folgen dieser Entwicklung.

Ältere Menschen sind davon fast immer als Erste betroffen. Zugleich er­höht eine schlechte Versorgungslage den Druck zur Abwanderung auf die konsumstärkeren, jüngeren Haushalte mit Kindern noch weiter. Gerade kleine Gemeinden sind deshalb darauf angewiesen, vorhandene Chancen und Möglichkeiten in integrativen Angeboten für alle Generationen neu zu bündeln und zu nutzen.

Die Wüstenrot Stiftung suchte mit Hilfe eines bundesweiten Wettbewerbes nach neuen Konzepten für das Wohnen und das Wohnen bleiben älterer Menschen in kleinen Gemeinden. Im Mittelpunkt des Wettbewerbes stand dabei die Umgestaltung vorhandener Gebäude wie beispielsweise Scheunen, Gasthöfe, Wohnhäuser oder ehemalige Schulen zu einem ört­lichen Zentrum mit vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten und Dienst­leistungsangeboten, die auf die Sicherung der Lebensqualität der Älteren und der ganzen Bevölkerung zielen. Im Idealfall sollte damit auch eine Aufwertung des Ortskerns verbunden sein.

Mit 87 Einsendungen aus dem ganzen Bundesgebiet ist aus diesem Wett­bewerb nicht nur ein aktueller, sondern auch ein umfassender Überblick zu diesem Thema entstanden. Eine unabhängige Jury hat in mehreren Sitzungen, zwischen denen die Wettbewerbsbeiträge der „Engeren Wahl“ vor Ort besichtigt wurden, über die Vergabe der Prämierungen und der Preisgelder in Höhe von insgesamt 25.000 Euro entschieden.

Der erste Preis verbunden mit einem Preisgeld von 10.000 Euro ging an:

„Mitten im Dorf – Mitten im Leben“ der Gemeinde Langenfeld (Bayern)
Zahlreiche, miteinander vernetzte ehrenamtliche Aktivitäten er­möglichen den Erhalt und den weiteren Ausbau einer lebendigen Dorfge­meinschaft. Kristallisationspunkt für die Dorfentwicklung ist die Umnutzung einer ehemaligen Scheune im alten Dorfzentrum zu einem multifunktiona­len Veranstaltungsraum. In Verbindung dazu ist über einen Neubau eine Begegnungsstätte für alle Generationen geschaffen worden. Die architek­tonisch anspruchsvolle, gelungene Verbindung von alter Bausubstanz und ergänzendem Neubau kann als beispielhaft für die Aufgabe der Revitalisie­rung vorhandener Gebäudesubstanz im alten Ortskern angesehen werden. Das Konzept der „Dorflinde“ wird in Langenfeld in überzeugender Weise von allen Bevölkerungsgruppen mitgetragen. Die allgegenwärtige Ver­netzung mit allen Ebenen der Gemeindeentwicklung bis hin zur geplanten Angliederung spezieller Wohnangebote für Ältere lässt erwarten, dass Langenfeld mit seiner Dorflinde für die zukünftigen Herausforderungen des demografischen Wandels vorbildhaft gerüstet ist.

Die Dorflinde stellt sich vor (PDF) »

Zwei Auszeichnungen mit einem Preisgeld von je 5.000 Euro gingen an:

Eine Auszeichnung geht an die Gemeinde Attenkirchen (Bayern). Der Attenkirchener Senioren Service (ASS) bietet eine vorbildliche Struktur der ehrenamtlichen Organisation von vielfältigen Dienstleistungsangeboten für die Älteren in dieser Gemeinde. In einer behutsam sanierten ehemaligen Dorfgaststätte wurde eine hohe Lebens- und Versorgungsqualität für alle Bürgerinnen und Bürger am Ort geschaffen. Die Integration neuer Nutzun­gen im Rahmen der Revitalisierung der gewachsenen Mitte des Dorfes ist in sich schlüssig und Beispiel gebend.

Die andere Auszeichnung erhält die Gemeinde Göpfersdorf (Thüringen). Diese kleine Gemeinde mit ca. 240 Einwohnern hat sich der enormen Auf­gabe angenommen, die Bausubstanz eines historischen Vierseithofes einer neuen Nutzung zuzuführen. Als Initialidee der neuen Nutzung wurden kulturelle Aktivitäten gewählt, die der Gemeinde eine überregionale Auf­merksamkeit verschaffen und die zugleich in Übereinstimmung mit der identitätsstiftenden Wirkung stehen, die das Gebäudeensemble für die Dorfbewohner hat. Die Integration neuer Sport-, Bildungs- und Freizeit­angebote für alle Altersgruppen stärkt die lokale Verankerung des Projekts.

Fünf Anerkennungen mit einem Preisgeld von je 1.000 Euro gehen an:

  • Balow (Mecklenburg-Vorpommern) für die multifunktionale Umnutzung einer historischen Gutsanlage und den Umbau einer örtlichen Begeg­nungsstätte.
  • Göritz (Brandenburg) für den in Kooperation mit dem kommunalen Wohnungsunternehmen Prenzlau-Land erfolgten Umbau eines histo­rischen Landarbeiterwohnhauses zum Haus einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für die älteren Bewohner/innen.
  • Krauthausen (Thüringen) für ein aus Umbau und ergänzendem Neu­bau geschaffenes neues Dorfzentrum mit barrierefrei zugänglichen Wohnungen für Ältere, Dorfladen, Seniorentreff und Gaststätte.
  • NebelschützNjebjelčicy (Sachsen) für den Umbau und die Erwei­terung einer ehemaligen Kegelhalle und Sportanlage zum Vereins- und Dienstleistungszentrum, die ein eindrucksvolles bürgerschaftliches Engagement
  • Saara (Thüringen) für die Revitalisierung eines ortsbildprägenden, denkmalgeschützten historischen Vierseithofes zu einem neuen funk­tionalen Ortsmittelpunkt mit vielseitigen Angeboten für alle Bevöl­kerungsgruppen.

Die Jury

Prof. Dr. Henning Bombeck, Lehrstuhl Siedlungsgestaltung und ländliche Bauwerke, Universität Rostock (Vorsitzender)
Landrat Dr. Winfried Hirschberger, Landkreis Kusel
Dr. Stefan Krämer, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg
Cornelia Plewa, Planungsgruppe Plewa, Flensburg
Dr. Anke Schettler, Schettler-Wittenberg Architekten, Weimar
Bürgermeister a. D. Dieter Schönfeld, Gettorf
Dr. Hans Peter Tews, Heidelberg

Kriterien für die Bewertung der Wettbewerbsbeiträge

  • Die Verbesserung der Qualität des Wohnens, der Betreuung und der Versorgung der älteren Bürger/innen und die Beseitigung von Defiziten.
  • Die Stabilisierung des sozialen Zusammenhalts aller Generationen in einer Gemeinde (z. B. durch aktive Beteiligung und bürgerschaftliches Engagement).
  • Die neuen Konzepte und Angebote sind Teil einer Gesamtstrategie zur zukünftigen Entwicklung der Gemeinde vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklungen.
  • Die Integration und Nutzung vorhandener Gebäudesubstanz mit dem Ziel einer Aufwertung des Ortskerns.
  • Die angemessene Berücksichtigung der architektonischen Qualität bei einem Umbau und/oder einer Umnutzung vorhandener Gebäude­substanz.