Jan Bouman Haus in Potsdam

Einen Höhepunkt unter der Potsdamer Stadtverwaltung unter Friedrich Wilhelm I. (1688 – 1740) stellt das Holländische Viertel dar. Es wurde zwischen 1733 und 1742 im Nordosten der Neustadt vom niederländischen Bouman errichtet. Das Holländische Viertel ist ein einzigartiges historisches Beispiel europäischer Städtebaukunst und steht insgesamt unter Denkmalschutz. Das Bauensemble besteht aus 134 Häusern aus Backstein, die durch die Mittel- und Benkertstraße in vier Blöcke aufgeteilt werden. Das Quartier sollte im 18. Jahrhundert holländische Handwerker nach Potsdam locken, was aber in der gewünschten Zahl nicht gelang. Stattdessen zogen französische Handelsvertreter und Künstler und preußische Soldaten des Ersten Garderegiments in die Typenhäuser.

Nachdem das Holländische Viertel zu DDR-Zeiten dem Verfall preisgegeben war, wurde es nach der Wiedervereinigung auch durch die Unterstützung des Niederländischen Königshauses wiederentdeckt und die Häuser Zug um Zug restauriert.

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Frontansicht des Jan Bouman Hauses nach der Instandsetzung (Foto: Dieter Wendland © Wüstenrot Stiftung)

Die Wüstenrot Stiftung übernahm in eigener Regie und Verantwortung die Revitalisierung des Hauses der Mittelstraße 8, heute nach dem Architekten des Holländischen Viertels als „Jan Bouman Haus“ benannt. Das Baudenkmal, ursprünglich eines von 15 Grenadierhäusern, hat eine bewegte Nutzungsgeschichte hinter sich: Die letzten 15 Jahre vor der Instandsetzung durch die Stiftung stand es leer und verfiel in einen ruinösen Zustand.

Es war das Ziel der Sanierung, das Äußere des Hauses und die Raumstruktur in dem ursprünglichen Erscheinungsbild von 1735 wieder herzustellen. In großen Teilen der Holzkonstruktion musste das Gebäude von Hausschwamm und Schädlingsbefall befreit werden. Im Dachgeschoss wurde über den Abbruch unnötiger Wandeinbauten und Verschläge wieder die historische Raumwirkung hergestellt. 1997 wurde nach dreijähriger Sanierungszeit das Jan Bouman Haus der Öffentlichkeit übergeben. Der Förderverein zur Pflege von niederländischer Kultur in Potsdam e.V. nutzt das Gebäudeensemble (Vorderhaus, Hofgebäude und Garten) als Museum sowie als Informations- und Begegnungsstätte. Das Museum thematisiert die Geschichte der Entstehung des Holländischen Viertels. Die städtebauliche Mischung von Wohnungen, kleinen Läden, Galerien, Werkstätten, Kneipen und Cafés geben dem Holländischen Viertel heute wieder ein urbanes Flair, das es bei Einwohnern und Touristen gleichermaßen beliebt macht. Dazu tragen auch die „Viertelfeste“ statt, darunter das historische Tulpenfest und der Holländische Weihnachtsmarkt.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
1994 – 1997Arch.-Büro Wendland, PotsdamStadt Potsdam / Förderverein zur Pflege von niederländischer Kultur e.V.