Holzhängeschale „Sonnensegel“ von Günter Behnisch in Dortmund

Sonnensegel im Westfalenpark [Foto: Dieter Menne Datum: 31.01.2013]

Das abgesperrte Sonnensegel im Januar 2013 (Foto: Dieter Menne)

Günter Behnisch gilt als einer der bedeutendsten deutschen Architekten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die von ihm geschaffenen Gebäude prägten seit den 1950er Jahren das Bild der Bundesrepublik Deutschland auch international, insbesondere durch den Entwurf des Geländes der Olympischen Sommerspiele 1972 in München.

Bei der Form der hyperbolischen Paraboloidschale in Dortmund, dem „Sonnensegel“, nahm Behnisch ein Werk von Frei Otto, nämlich den Musikpavillon der Bundesgartenschau 1955 in Kassel, zum Vorbild. Diese kleinere Konstruktion mit Textilbespannung übertrug Behnisch auf die speziellen Anforderungen in Dortmund. 1969 fand dort eine Europa-Gartenschau im Westfalenpark statt, bei der die Arbeitsgemeinschaft Holz e.V. die besondere Tragfähigkeit des Werkstoffes Holz anhand eines Pavillons darstellen wollte. Der für diesen Pavillon beauftragte Behnisch verwirklichte einen Experimentalbau für die Machbarkeit freitragender Dachkonstruktionen. Die gewonnenen Erkenntnisse konnten auch bei der 1972 fertiggestellten Dachlandschaft für die olympischen Spiele in München genutzt werden.

Die Gestaltung des Sonnensegels steht in Zusammenhang mit den Arbeiten des spanisch-mexikanisch-US-amerikanischen Architekten Felix Candela und den Arbeiten von Bauschaffenden aus der DDR, wie Herbert Müller und Ulrich Müther, die bereits seit den 1950er Jahren mit hyperbolische Paraboloidschalen – allerdings aus Beton – experimentierten. Im Bereich des Stahlbetonbaus hatte sich die hyperbolische Paraboloidschale damit spätestens in den 1960er Jahren etabliert. Das Sonnensegel in Dortmund zeigt mit seiner Form eine für die Nachkriegszeit typische Architektursprache und ist zugleich das erste zugbeanspruchte Holzflächentragwerk mit freien Rändern. Parallel zu den Planungen der Olympiabauten in München bestätigt das Sonnensegel im Gesamtwerk Behnischs dessen Formensprache der späten 1960er Jahre und steht auch heute noch für das neue, heitere und höchst moderne Bild der Architektur dieser Zeit in Deutschland. Die Rezeption des Baus in der Fachliteratur unterstreicht seine Bedeutung für die Konstruktionsgeschichte.

Das Sonnensegel hat auch aufgrund seines Seltenheitswertes eine besondere Zeugniskraft und steht unter Denkmalschutz. Heute ist das Sonnensegel in einem schlechten Erhaltungszustand und kann nicht mehr für Veranstaltungen genutzt werden. 2015 hatte die Wüstenrot Stiftung beschlossen, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zu klären, ob bzw. wie das durch den Zahn der Zeit schwer geschädigte Sonnensegel erhalten und zukunftsfähig gemacht werden kann.

Projektlaufzeit:Zuständige Architekten:Eigentümer / Nutzer:
2015 –Knippers Helbig: Thorsten Helbig; Behnisch Architekten: Stefan Behnisch, Dr. Elisabeth Spieker; HWR Architekten: Gunnar Ramsfjell; Strauß und Fischer – Historische Bauwerke: Dr. Stephan Strauß Eigenbetrieb der Stadt Dortmund: Sport und Freizeitbetrieb Dortmund: Bernd Kruse