Gestaltungspreis 2017: Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz

Stadtmuseum Aarau (Foto Arne Fentzloff © Wüstenrot Stiftung)

Stadtmuseum Aarau (Foto Arne Fentzloff © Wüstenrot Stiftung)

Denkmäler sind ein wesentlicher und wichtiger Teil unserer gebauten Umwelt. Sie gehören zum gemeinsamen kulturellen Erbe und verdienen größte Wertschätzung. Das mit ihnen verbundene Potenzial an kultureller Identität, attraktiver Nutzung und gemeinsamer Geschichte müssen wir unter Anlegung hoher Maßstäbe für die Zukunft fortschreiben und gegebenenfalls transformieren.

Für die Wüstenrot Stiftung ist die Erhaltung denkmalwürdiger Bausubstanz ein zentrales Anliegen in ihrer gemeinnützigen Tätigkeit. Zur Ergänzung des eigenen Denkmalprogramms hat sie ihren Gestaltungspreis 2017 dem „Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz“ gewidmet. Zu diesem Wettbewerb wurden Architekten und Bauherren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen, um aus dem grenzüberschreitenden Vergleich zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen.

Insgesamt 748 Einsendungen aus den drei Ländern bildeten die Grundlage für das international besetzte Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Quintus Miller, um die besten Beispiele für den Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz auszuwählen. Dazu konnten nicht nur Maßnahmen an denkmalgeschützten Gebäuden und Ensembles gehören, sondern mit Begründung der Denkmalwürdigkeit auch Gebäude, die (noch) nicht unter Denkmalschutz stehen.

Als Preissumme standen insgesamt 53 500 Euro zur Verfügung.

Gestaltungspreis 15.000 Euro

Stadtmuseum Aarau (Foto Stefan Krämer © Wüstenrot Stiftung)

Stadtmuseum Aarau (Foto Stefan Krämer © Wüstenrot Stiftung)

Der mit 15 000 Euro dotierte Gestaltungspreis geht an Diener & Diener Architekten (Basel) mit Martin Steinmann (Aarau) für das Stadtmuseum Aarau in Aarau (Schweiz); Bauherr: Einwohnergemeinde Aarau. Damit würdigt die Jury einen vorbildhaften Umgang mit dem denkmalwürdigen Bestand, einen städtebaulich gelungenen Beitrag zur Stadtreparatur und einen Glücksfall für die Baukultur.

Aus der Begründung der Jury:

Das Projekt zeichnet sich sowohl durch eine ungewöhnliche intellektuelle Vielschichtigkeit in allen Aspekten des inhaltlichen Entwerfens als auch durch seine präzise architektonische Umsetzung aus. Die gestalterische Leistung reicht von der erfolgreichen volumetrischen Stadtreparatur am ehemaligen Graben der Altstadt über den gelungenen Zusammenschluss von Alt und Neu bis zur sorgfältigen Integration von Stadtgrün im öffentlichen Raum. … Die zusammen mit dem Künstler Josef Felix Müller gestaltete Fassade interpretiert das Bossenwerk des Wehrturms auf überraschende Weise … Gleichzeitig ermöglicht … der an den mittelalterlichen Turm angebaute Baukörper eine zeitgemässe Organisation und barrierefreie Erschliessung.
Das Stadtmuseum Aarau ist ein auf zahlreichen Ebenen sehr sorgfältig ausgearbeitetes Konzept für das vorbildliche Weiterbauen im historischen Kontext, das drei Aufgaben in einer gesamtheitlichen Lösung zusammenfasst: ein städtebaulich geschlossenes Ensemble von Monument und zeitgenössischer Architektur, die selbstverständliche Einbindung eines Stücks wichtiger Stadtgeschichte in die urbane Aktualität und das Angebot eines urbanen Stadtparks als Rahmen für die öffentliche Institution.

Vier Auszeichnungen zu je 6.500 Euro

von links oben nach rechts unten: Silvertower in Frankfurt a. M., Türalihus in Valendas, Schulanlage Felsberg in Luzern und Hallenbad City in Zürich.

  • schneider + schumacher (Frankfurt a. M.) für die Ertüchtigung und Sanierung des Silvertowers in Frankfurt a. M. (Deutschland); Bauherr: Commerzbank AG (Frankfurt a. M.). Der (noch) nicht unter Denkmalschutz stehende Turm – von 1978 bis 1990 das höchste Gebäude der Bundesrepublik – nimmt mit seiner charakteristischen Alumiumfassade einen markanten Platz in der Frankfurter Skyline ein. Die Architekten haben mit ihrem gelungenen Konzept ein wichtiges Beispiel dafür geschaffen, dass die Wahrung des Erscheinungsbildes von Hochhäusern der 1970er Jahre nicht zwingend eine Rekonstruktion erfordert, sondern dass auch eine Ertüchtigung in ihrer Materialität möglich und sinnvoll sein kann.
  • Capaul & Blumenthal Architects ETH BSA SIA (Ilanz/Glion) für die Revitalisie­rung des denkmalgeschützten Türalihus in Valendas (Schweiz); Bauherr: Stiftung Ferien im Baudenkmal (Zürich). Ein bedeutender Beitrag zur Erhaltung historischer Bausubstanz in einem Ort mit ca. 300 Einwohnern, der auf einem gemeinsamen Engagement von Architekten, Bürgerverein, Schweizer Heimat­schutz und zuständiger Denkmalpflege gründet. Ein konsequentes Konzept minimaler Substanzeingriffe, handwerkliche Reparaturen mit traditionellen Ma­terialen, eine wissenschaftlich konservierende Reinigung gestalteter Ober­flächen sowie ein sorgfältiges Einfügen neuer Ausstattung schaffen Räume und zeitgemäße Nutzung mit hoher Authentizität und Individualität.
  • Menzi Bürgler Architekten AG (Zürich) für den Umbau und die Sanierung der denkmalgeschützten Schulanlage Felsberg in Luzern (Schweiz); Bauherr: Stadt Luzern. Die Modernisierung und Anpassung des Gebäudes für den heu­tigen Schulbetrieb überzeugt durch die denkmalpflegerische Strategie und deren sorgfältige handwerkliche Umsetzung. Den Architekten ist es in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege beispielhaft gelungen, das Ensemble so zu ertüchtigen und neu zu organisieren, dass es die aktuellen Anforderungen für Schulgebäude in der Schweiz erfüllt. Das qualitätvolle Erscheinungsbild der 1950er Jahre Architektur wurde bewahrt und die Weiternutzung des Baudenk­mals in seiner ursprünglichen Bestimmung gesichert.
  • ernst niklaus fausch architekten eth/Sia gmbh (Zürich) für die Ertüchtigung und Sanierung des denkmalgeschützten Hallenbad City in Zürich (Schweiz); Bau­herr: Stadt Zürich. Ein Hallenbad der 1940er Jahre technisch zu erneuern und den Bedürfnissen eines zeitgemäßen Bäderbetriebs anzupassen ist eine große Herausforderung. Den Architekten gelang beides in vorbildlicher Weise. Das Gebäude wurde technisch und strukturell für die nächste Lebensdauer er­tüchtigt. Durch die Wiederherstellung des verglasten Schwimmhallendachs konnte eine besondere architektonische Qualität des Denkmals zurückgewon­nen werden. Das Hallenbad ist ein gelungenes Beispiel einer sorgfältigen Modernisierung mit hoher gestalterischer Qualität.

Fünf Anerkennungen zu je 2.500 Euro

  • driendl*architects zt Ges.m.b.H. (Wien) für die Generalsanierung des denkmalgeschützten Wiener Stadthallenbades (Österreich), Bauherr: Wiener Stadthalle Betriebs- und Veranstaltungsgesellschaft m.b.H. (Wien).
  • WESTPHAL ARCHITEKTEN BDA (Bremen) für den Umbau und die Um-nutzung des denkmalgeschützten Schuppen Eins in der Überseestadt Bremen (Deutschland); Bauherr: KJH Schuppen Eins GmbH & Co. KG (Bremen).
  • RWPA | Rohrbach Wehrli Pellegrino Architekturagentur ETH FH SIA GmbH (Winterthur) für den Umbau des nicht denkmalgeschützten Gebäude 118 auf dem ehemaligen Sulzer-Areal in Winterthur (Schweiz); Bauherr: Stiftung Abendrot (Basel).
  • Haberland Architekten BDA (Berlin) für die Ertüchtigung und Sanierung der denkmalgeschützten Carl-Sonnenschein-Grundschule in Berlin (Deutschland); Bauherr: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin.
  • André Born Architekt BSA (Bern) für die Sanierung der denkmalgeschützten Cäsa Cortini in Promontogno / Bondo (Schweiz); Bauherren: Susann Lüthi und Peter-Andrew Schwarz (Basel).

Kriterien

Bewertet wurden in erster Linie:

  • Der vorbildhafte Umgang mit denkmalwürdiger Bausubstanz
  • Die Qualität der architektonischen Gestaltung und des Städtebaus
  • Die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit
  • Die Signifikanz der Baumaßnahme für Erhaltung, Transformation, Nutzungs­optimierung oder Umnutzung denkmalwürdiger Gebäude oder Ensembles.

Aufgrund der außerordentlich hohen Zahl an bemerkenswerten Einsendungen und gelungenen Beispielen wurden die Zahl der Prämierungen und die Preissumme erhöht. Der alle zwei Jahre ausgeschriebene Gestaltungspreis der gemeinnützig tätigen Wüstenrot Stiftung gehört nach der Anzahl der Einsendungen und nach der Preissumme zu den bedeutenden Architekturwettbewerben in Deutschland.

Preisgericht

Eva Hody, Landeskonservatorin, Salzburg

Prof. Philip Kurz, Wüstenrot Stiftung

Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier, Bauhaus-Universität Weimar

Prof. HG Merz, Stuttgart/Berlin

Prof. Quintus Miller, Basel/Mendrisio         (Vorsitzender)

Luise Rellensmann, BTU Cottbus

Prof. Alexander Schwarz, Berlin/Stuttgart