Fürstengruft in Weimar

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Der Aufgang zur Fürstengruft (Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung)

Die Fürstengruft ist die Grablege des Hauses Sachsen-Weimar-Eisenach. 1823 erteilte Großherzog Carl August seinem Baumeister Clemens Wenzeslaus Coudray den Auftrag, auf dem 1818 eröffneten Friedhof vor dem neuen Frauentor in Weimar eine neue Begräbnisstätte für die herzogliche Familie zu errichten. Coudray baute nach dem Wunsch des Herzogs ein „einfaches Totenmagazin“, einen Rechteckbau mit dorischer Säulenfront und flachem Zeltdach, von einer außen achteckig umschlossenen Kuppel überwölbt. Im bewusst schlicht gehaltenen Inneren befindet sich in der Mitte eine ovale Öffnung, durch die die Särge hinabgelassen werden konnten.

In der Fürstengruft ruhen Herzog Wilhelm IV. (1598-1662), der Stammvater der neuen ernestinischen Linie, und seine Nachkommen. 1827 wurden in gebührendem Abstand zur fürstlichen Sargfolge die vermeintlichen Gebeine Friedrich Schillers in der Gruft beigesetzt. 1832 fand dann auch Johann Wolfgang von Goethe hier seine letzte Ruhestätte. In den Jahren 1860 bis 1862 ließ Königin Augusta von Preußen hinter der Fürstengruft eine Russische Kapelle in neobyzantinischem Stil bauen. In der Folge wurde die Fürstengruft im Inneren durch farbige Fußbodenintarsien und Wandgestaltungen dem veränderten Zeitgeschmack angepasst und ausgeschmückt. Von der Gründerzeit an wandelte sich die fürstliche Grablege mehr und mehr zur Kultustätte für die „Dichterfürsten“. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Särge der Dichter in einem Jenaer Bunker ausgelagert und 1945 wieder in die Fürstengruft zurückgebracht. 1952 wurde die Fürstengruft in Goethe-Schiller-Gruft umbenannt, 1992 bekam sie ihren alten Namen zurück. Bis 2008 nahm man an, dass auch Friedrich Schiller dort begraben liegt. Im Zuge eines Gentests konnten jedoch die Gebeine im „Schillersarg“ nicht der Familie Schiller zugeordnet werden.

Erhebliche Bau- und Feuchtschäden machten eine grundlegende Sanierung unvermeidlich. Als ihr erstes Denkmalprojekt übernahm die Wüstenrot Stiftung 1993 in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Weimarer Klassik die umfassende Sanierung und Instandsetzung der Gruft sowie der Halle in der historischen Farbgebung der sogenannten „Augusta-Fassung“. Die Schäden an der Dachkonstruktion, Mauerwerk, Naturstein, Putz und Ausmalungen wurden behoben. Wegen starker Feuchtschäden an den Außenwänden und im Gründungsbereich muste rund um das Gebäude eine neue Drainage gelegt werden. Die Särge der Dichter wurden entsprechend der historischen Aufstellung Coudrays wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückggestellt. 1994 wurde die Fürstengruft der Öffentlichkeit übergeben und ist seit dieser Zeit Ziel zahlreicher Besucher aus aller Welt. Das Denkmal ist im Besitz der Stiftung Weimarer Klassik und gehört seit 1998 als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“ zum UNSECO-Weltkulturerbe.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
1993 – 1994Arch.-Büro Pagel, WeimarKlassik Stiftung Weimar