Frei Otto. Ein Forschungs-, Ausstellungs- und Publikationsprojekt

Olympiagelände München 1972 (Foto © Behnisch & Partner)

Olympiagelände München, 1972 (Foto © Behnisch & Partner)

Frei Otto (*1925 in Siegmar, † 2015 in Warmbronn) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Architekten und Ingenieure und als experimenteller Protagonist der deutschen Nachkriegsarchitektur. Er war Träger zahlloser Preise und Auszeichnungen, wie dem Pritzker Preis, dem japanischen Weltkulturpreis Praemium Imperiale und dem Aga Khan Award.

In den 1950er Jahren prägte Frei Otto mit seinen leichten Zeltkonstruktionen die Gartenschauen, die der jungen Bonner Republik eine heitere Ergänzung zum Wiederaufbau boten. 1964 gründete er das Institut für leichte Flächentragwerke an der TH Stuttgart und baute es zu einer der weltweit wichtigsten Forschungsstätten für eine ökologisch geprägte Architektur aus. Mit dem Deutschen Pavillon auf der Expo ‘67 in Montreal schuf er ein wegweisendes Symbol des neuen und offenen Deutschlands. In den nächsten Jahrzehnten war Frei Otto an der Realisierung vieler international renommierter Bauten beteiligt, wie der transparenten Dachlandschaft für die Olympischen Spiele in München mit Behnisch & Partner (1972), an der Multihalle in Mannheim mit Carlfried Mutschler und Joachim Langner (1975) oder dem Japanischen Pavillon auf der Expo in Hannover mit Shigeru Ban (2000).

Das innovative Potential in Frei Ottos Oeuvre lag in seiner Interdisziplinarität und Experimentierfreudigkeit. Er baute eigens entwickelte Instrumente zur Erforschung selbstorganisierender Prozesse, Messtische zur Bestimmung von Kräfteverläufen, Apparate zur Erforschung pneumatischer Konstruktionsformen oder Werkzeuge zur Analyse von komplexen Netzmodellen. Architekturmodelle fungierten bei Frei Otto nicht als „statische Objekte“, sondern vielmehr als „dynamische Objekte“, d.h. als Prozessmodelle der gesamten Umwelt. Sie verkörpern eine „operative Ästhetik“, die sich zwischen der Präzision von wissenschaftlichen Objekten und der Imagination künstlerischer Instrumente bewegt. Frei Otto versuchte Zeit seines Lebens die Modellhaftigkeit der Natur für die Architektur und den Ingenieurbau nutzbar zu machen.

Das Forschungs-, Ausstellungs- und Publikationsprojekt ist eine gemeinsame Initiative des Südwestdeutschen Archivs für Architektur und Ingenieurbau (saai) und der Wüstenrot Stiftung. Mit der bisher größten Ausstellung zum Oeuvre von Frei Otto und einer begleitenden Publikation soll die Aufarbeitung und Erforschung von Frei Ottos Nachlass fortgeführt und das Denkmalbewusstsein für sein Werk geschärft werden. Der Nachlass befindet sich zum größten Teil im saai in Karlsruhe, aber auch im Museum of Modern Art (MoMA) in New York und im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt. Zudem soll mit dem Aufbau einer digitalen Plattform die Zugänglichkeit der Archivmaterialien verbessert werden. Weiteres Ziel des Projekts ist es, neue Sichtweisen auf das Werk von Frei Otto zu vermitteln, Einblicke in historische Zusammenhänge der Nachkriegsarchitektur zu eröffnen und baukulturelle Fragestellungen zur Zukunft der gebauten Umwelt zwischen Architektur, Technologie, Nachhaltigkeit und Gesellschaft zu entwickeln.

In der Ausstellung „Frei Otto. Denken in Modellen“ (05.11.2016-12.03.2017) im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe wurde das breite Spektrum von Frei Ottos Oeuvre gezeigt – 250 Modelle, Werkzeuge und Instrumente aus dem Nachlass, ergänzt durch über 1000 Fotos, Zeichnungen, Skizzen, Pläne, Bücher und Filme. Dazu kamen 32.000 Dias. Ein großer Teil der Objekte wurde der Öffentlichkeit zum ersten Mal sichtbar gemacht. Die Publikation und die digitale Plattform wurden zur Eröffnung präsentiert.

Publikation „Frei Otto. Denken in Modellen“ gewinnt „Architectural Book Award“ 2017

Die zur Ausstellung gehörige, gleichnamige Publikation wurde mit einem der renommierten Preise des „Architectural Book Award“ 2017 geehrt. Der Preis wird vergeben durch das Deutsche Architekturmuseum (DAM) und die Frankfurter Buchmesse. Er zeichnet die zehn besten Architekturbücher eines Jahres aus. Die Einsendungen werden dabei von einer Fachjury aus externen Experten sowie Vertretern des DAM nach Kriterien wie Gestaltung, inhaltliche Konzeption, Material- und Verarbeitungsqualität, Grad an Innovation und Aktualität ausgewählt. Mehr Informationen zur Publikation

Projektlaufzeit:Kooperationspartner:
2015 –Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst (saai) in Karlsruhe: Prof. Dr. Georg Vrachliotis