Le Corbusier Haus in Stuttgart

Doppelhaus-von-Le-Corbusier-in-Stuttgart-Denkmalprogramm-Wuestenrot-Stiftung-18_02_Corb-08-689x1030

Südostansicht des Doppelhauses (Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung)

Das Doppelhaus, das Le Corbusier mit seinem Vetter Pierre Jeanneret 1927 für die im Rahmen der Ausstellung „Die Wohnung“ entstandene Weißenhofsiedlung entworfen hat, gehört zu den herausragenden Bauzeugnissen der klassischen Moderne. Mit dem Gebäude setzte Corbusier die Ziele seines Architekturprogramms in fünf Punkten um: Variable Grundrisse, Hochstellung des Erdgeschosses durch Stützen, Dachterrassen, durchgehende Fensterbänder sowie eine freie Fassadengestaltung. Schon unmittelbar nach seiner Errichtung und dann Mitte der 80er Jahre wurde das Gebäude aber umgebaut, wobei auch Teile des Originals verloren gingen.

Anlässlich des 75jährigen Jubiläums der Weißenhofsiedlung 2002 erwarb die Landeshauptstadt Stuttgart die Liegenschaft von der Bundesvermögensverwaltung. Die Wüstenrot Stiftung erklärte sich bereit, die operative und verantwortliche Bauherrenschaft zu übernehmen – und damit auch die volle Finanzierung der Planungs- und Baukosten der in den Jahren 2003 bis 2005 durchgeführten baulichen Wiederherstellung des Doppelhauses.

Das Gebäude wird als Informations- und Dokumentationszentrum genutzt: In der linken Haushälfte informiert eine Ausstellung über die Geschichte der Weißenhofsiedlung; die rechte Haushälfte dient als „begehbares Exponat“ der Darstellung der Wohnideen Le Corbusiers.

Vor allen baupraktischen Überlegungen klärte die Stiftung zunächst die grundsätzliche Frage des strategischen Umgangs mit dem Baudenkmal. Gleichzeitig veranlasste sie umfangreiche bauarchäologische und bauhistorische Untersuchungen. Diese waren die Basis für die Entscheidungen zur Instandsetzung. Formuliertes Ziel war es, in größtmöglicher befund- und quellengestützter Annäherung an das bauliche Original die zentralen Qualitäten der „Le Corbusier-Architektur“ wieder anschaulich zu machen – ohne allerdings die substantiellen Veränderungen der letzten Jahrzehnte vollständig zu tilgen – folglich das geschichtliche Bauzeugnis auch in seiner Überlieferung zu akzeptieren. Aus dieser Zielsetzung ergaben sich folgende wesentliche Maßnahmen:

Dachgartenbereich: die notwendige Erneuerung des Flugdaches, ferner ein neuer Dachaufbau und die Wiederherstellung des historischen Plattenbelages einschließlich der Bepflanzung sowie Absenkung der Brüstung auf das normale Maß.

Eingangsbereich: Rückbau des 1933 eingefügten Kellers, Wiederherstellung der äußeren Stützmauer und damit verbundene Absenkung des Eingangniveaus um ca. 30 cm. Diese befundgesicherte Maßnahme war entscheidend für die Wiederherstellung des äußeren Erscheinungsbildes. Der Eingangsbereich zur linken Haushälfte wurde neu gestaltet.

Oberflächen und Farbgebung: der 1984 außen angebrachte Wärmedämmputz wurden wegen seiner guten bauphysikalischen Funktion belassen. Der Putz wurde lediglich an einigen Stellen repariert und mit einem neuen Anstrich versehen. Die Fensterbänder wurden aufgearbeitet.

In der linken Haushälfte wurde mit Blick auf die geplante Nutzung eine neutrale weiße Fassung gewählt. Die rechte Haushälfte erhielt wieder ihre ursprüngliche Farbigkeit zurück. Die Böden wurden erneuert – in der rechten Haushälfte mit originalähnlichem Linoleum – in der linken Haushälfte wegen der Museumsnutzung mit einem robusten Kunstharzboden.

Innenausstattung: Bedingt durch die großen Veränderungen von 1930 bis in die 80er Jahre fehlten fast sämtliche originale Ausbau- und Einrichtungsgegenstände. Um in der rechten Haushälfte den Zustand von 1927 soweit wie möglich gerecht zu werden, wurden die Bettschränke und die Schiebewände durch eine erneute Rekonstruktion ersetzt, die dem Original in Kubatur und Oberfläche sehr nahe kommt.

Außenbereich/Garten: Auch hier bestand das Ziel, wesentliche Elemente des originalen Gartens wieder herzustellen – einschließlich der Rosenlaube, einzelner Gehölze und Herstellung der Wege. Alle weiteren Instandsetzungsmaßnahmen dienten der Funktionstüchtigkeit des Hauses im Rahmen der Zielsetzung.