Dokumentarfotografie Förderpreise 12 (2017)

jury

(v.l.n.r.) René Hartmann, Felix Hoffmann, Florian Ebner, Sara-Lena Maierhofer und Beate Gütschow (© Museum Folkwang)

Aus 67 eingereichten Projekt- und Diplomarbeiten deutscher Kunsthochschulen und fotografischer Ausbildungsstätten wählte die Jury 2017 die vier Preisträger/innen des zwölften Jahrgangs aus.

Die eingereichten Bewerbungen für diesen Förderpreis verdeutlichen, dass der dokumentarische Blick auf Wirklichkeit für viele junge Fotografinnen und Fotografen weiterhin eine relevante Haltung darstellt. Auffällig ist wie vielschichtig und originell die heutige fotografisch-künstlerische Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit sein kann. Nicht selten kommen neben der Fotografie auch andere Medien zum Einsatz. Auch das Künstlerbuch spielt eine wichtige Rolle. Diese Vielfalt der behandelten Themen spiegelt sich in den vier ausgewählten Arbeiten wider. Die feierliche Preisverleihung der Dokumentarfotografie Förderpreise 12 fand am 17. November 2017 im Museum Folkwang in Essen statt.

Mitglieder der Jury:

  • Florian Ebner, Leiter der Fotografischen Sammlung, Centre Georges-Pompidou, Paris
  • Prof. Beate Gütschow, Professorin für Fotografie, Hochschule für Kunst und Medien Köln
  • Dr. René Hartmann, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg
  • Felix Hoffmann, Chefkurator C/O Berlin
  • Sara-Lena Maierhofer, Künstlerin und ehemalige Preisträgerin, Berlin

Die Preisträger/innen

Preisverleihung der Dokumentarfotografie Foerderpreise 12 (Foto: Tanja Lamers © Museum Folkwang)
Christian Kasners

Christian Kasners absolvierte seinen Master-Abschluss an der Folkwang-Universität der Künste mit dem visuell eindrücklichen Essay „Neue Graeue“. Das in schwarzweiß gehaltene Buch ist eine große Montageleistung, die Aufnahmen unserer Konsumkultur mit den Bildern von Protesten der Straße verschränkt, verbunden in einer flächigen Ästhetik, die Ausdruck unserer digitalen Bildkultur geworden ist. Für sein Projekt „Kam jdeme? (Nova Evropa) Wohin gehen wir? (Neues Europa)“ will er sich den historischen Hinterlassenschaften und politischen Erwartungshaltungen der Bürger in Tschechien widmen.

Joscha Steffens

Joscha Steffens überzeugte die Jury mit den ikonischen Portraits und einer Videoarbeit seiner Diplomarbeit „Teen Spirit Island“ an der Hochschule für Kunst und Medien Köln. Das neue Projekt „GAMECHURCH“ knüpft an seiner Auseinandersetzung mit der Gaming-Kultur von Jugendlichen an. Stand im Diplom die Körpersprache und Gesten der jungen, vernetzten Computerspieler im Vordergrund, so widmet er sich nun dem Phänomen von Jugendlichen, die über ihr gemeinsames Spiel zu einer (pseudo-) religiösen Erfahrung einer christlichen Gemeinde gefunden haben. Steffens wird diese Arbeit in Deutschland beginnen und später in Kalifornien fortsetzen, dem Ursprungsort unserer heutigen, alles bestimmenden Computerwelt.

Jiwon Kim

Jiwon Kims Abschlussarbeit „The Hair of the Artist“ an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig ist eine poetische, sensible, gar minimalistische Arbeit. In den unterschiedlichsten deutschen und europäischen Museen platziert sie eines ihrer Haare auf einem Kunstwerk und hält diese existentielle Spur fest, als handelte es sich um eine Aufnahme der kriminalistischen Spurensicherung. Für ihr vorgeschlagenes Projekt „Where do you think is the most beautiful place in the world?“ folgt sie Hinweisen nach dem Paradies auf Erden, das sich ebenso auf Costa Rica, in Plitvice (Kroatien) oder in Neuseeland befinden kann.

Jens Klein

Jens Klein absolviert seine Meisterschülerarbeit an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Seine zweiteilige, aus einem Buch und einer Wandpräsentation bestehende Arbeit trägt den Titel „Bewerberinnen/Bewerber“.  Anhand der eingereichten Fotografien der Bewerber für das evangelische Studienwerk gibt er einen Einblick in die sich ändernden Moden und Porträtauffassungen junger Deutscher in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das für den Förderpreis eingereichte Projekt „Sunset“ ist ebenfalls eine Archivarbeit und wird sich anhand der Aufnahmen von Mitarbeitern der Staatssicherheit der „dokumentierten Fluchtenergie“ von DDR-Bürgern widmen.