Land und Leute – Die Kirche in unserem Dorf

Kirchen sind ein verbindender Teil eines lange zurückreichenden europäischen Erbes – unabhängig davon, ob es sich um evangelische oder katholische Kirchen handelt. Kirchen sind deshalb aber auch Gebäude und Orte, an denen Wandel und Transformation in einer Gesellschaft erkennbar werden. Dies zeigt sich seit einigen Jahren vor allem in den Städten an zahlreichen Beispielen der Umnutzung oder des Rückbaus von Kirchen. Zunehmender Personalmangel, rückläufige Gemeindegliederzahlen und hohe Unterhaltskosten führen dazu, dass auch in immer mehr kleinen Gemeinden der Bedarf an neuen Konzepten für die Zukunft der Kirchengebäude wächst.

Zugleich verändern sich der Alltag und das Leben in kleinen Gemeinden auf vielen Ebenen. Die Auswirkungen demografischer und wirtschaftsstruktureller Veränderungen werden hier häufig mit besonderer Dynamik wirksam. Viele Jüngere ziehen anlässlich ihrer Ausbildung oder für ihren Start ins Berufsleben in größere Städte und bleiben anschließend da.Parallel dazu tragen neue Lebensentwürfe, wachsende Pendlerdistanzen und veränderte Erwerbsstrukturen zu einem Wandel tradierter Lebensweisen bei. Dies beschleunigt die aktuellen Entwicklungen in kleinen Gemeinden zusätzlich.

In vielen Dörfern gehören die Kirchen zu den das Ortsbild prägenden Gebäuden und stehen an zentralen Orten. Mit ihrer allgegenwärtigen Präsenz sind Kirchen ein signifikanter, herausragender Teil unserer Baukultur. Ungeachtet aktueller Veränderungen oder des Rückgangs an religiöser Bindung, vor allem gegenüber den kirchlichen Institutionen und Riten, werden die Kirchen auch in Zukunft als gebaute Symbole zum Leben und zur Orientierung in unserer Gesellschaft gehören, denn sie sind weit über ihre religiöse Verankerung hinaus wirkende, gebaute Zeichen einer gemeinsamen Identität. Ihre äußere Gestalt und die damit einhergehende Symbolhaftigkeit stehen für eine verbindende Herkunft und Kulturgeschichte; damit sind Kirchen materielle Zeugnisse nicht nur des religiösen Lebens in unserer Gesellschaft.

Der Wettbewerb

Die Wüstenrot Stiftung sucht mit ihrem nunmehr vierten Wettbewerb „Land und Leute“ gezielt nach Beispielen dafür, wie Kirchen, Klöster und andere Gebäude im kirchlichen Kontext mit neuen Konzepten einer veränderten oder ergänzten Nutzung weiterhin als zentrale Orte und Begegnungsräume in kleinen Gemeinden bestehen können. Ein wichtiger Aspekt ist die Aufgabe, wie aus vorhandenem Gebäudebestand in einer gemeinschaftlichen Initiative durch eine veränderte Nutzung neue Chancen für eine lokale Entwicklung entstehen können, die zu neuen Bausteinen für das Arbeiten, Leben und Wohnen in kleinen Gemeinden werden.

Eingereicht werden können alle Arten der Veränderungen an Kirchengebäuden von der Modernisierung, Erweiterung, Verkleinerung bis zur Umnutzung. Besonderes Interesse gilt dabei allen Formen einer damit verbundenen Überführung der in kleinen Gemeinden traditionell vorhandenen Gemeinschaft in neue Formen von gemeinsamer Identität und sozialer Nachbarschaft. Dazu kann der Erhalt von Infrastruktur und Nahversorgung gehören oder lokale Kooperationen zur Stärkung der örtlichen Attraktivität oder neue Dienstleistungsangebote rund um die Sicherung der Lebensqualität in kleinen Gemeinden, beispielsweise rund um Bildung, Kunst und Kultur.

Die anschließende Dokumentation und Verbreitung der Ergebnisse soll andere Kommunen und deren Bewohner/-innen anregen und ermuntern, vergleichbare eigene Wege zu gehen.

Preisgericht

  • Elke Bergt, Landeskirchenamt, Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, Erfurt
  •  Jörg Beste, synergon, Köln
  • Dr. Bettina Heine-Hippler, LWL Denkmalpflege, Münster
  • Dr. Stefan Krämer, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg
  • Barbara Martin, Erzdiözese Freiburg, Erzbischöfliches Bauamt Konstanz
  • Betty Mehrer, Kreis- und Gemeinderätin, Mitglied der Landessynode der ELKB, Weyarn
  • Dr. Juliane Stückrad, Büro für angewandte Kulturforschung, Eisenach

Kriterien

Im Rahmen des Wettbewerbs werden für eine Bewertung neuer Konzepte und Beispiele sowie der aus ihnen entstehenden
Angebote folgende Kriterien zugrunde gelegt:

  • Die neue Nutzung der Kirchengebäude ermöglicht es, deren Potenzial als weit über ihre religiöse Verankerung hinaus wirkende, gebaute Zeichen gemeinsamer Identität zu erhalten, auch wenn sich die Funktion und die Rolle der Institution Kirche aktuell mit hoher Dynamik verändern.
  • Die Angebote tragen dazu bei, dass ein Brückenschlag zwischen Tradition und Zukunft entstehen kann und der soziale Zusammenhalt in kleinen Gemeinden gestärkt wird.
  • Die Angebote verbessern die Attraktivität und die Qualität des Alltags und des Lebens in kleinen Gemeinden
  • Die Angebote und Beispiele helfen dabei, lokal verfügbare Infrastruktur zu erhalten, auszubauen oder neu zu schaffen, idealerweise in Verbindung mit neuen Perspektiven für eine Stärkung des Ortszentrums und für eine Ertüchtigung oder Revitalisierung vorhandener Bausubstanz.
  • Die Angebote, Konzepte und Beispiele auf einem gemeinsamen Engagement von Kirchengemeinde, Bürgerinnen und Bürgern, Gemeindeverwaltung und/oder örtlichen Unternehmen und/oder regionalen Partnern und Bündnissen.

Wettbewerbsbeiträge

Der Wettbewerb zielt auf die Ebene kleiner Gemeinden, Ortsteile und Städte mit bis zu 5.000 Einwohnern und auf regionale Bündnisse. Eingereicht werden können unabhängig von ihrer Trägerschaft alle Formen von Angeboten, Konzepten und Beispielen, die den Kriterien des Wettbewerbes entsprechen. Nach der Prüfung der formalen Voraussetzungen werden die Einsendungen vom Preisgericht in ihrer inhaltlichen Übereinstimmung mit der Wettbewerbsaufgabe bewertet.

Prämierungen

Als Gesamtpreissumme stehen 35.000 Euro zur Verfügung. Vorbehaltlich der endgültigen Entscheidung im Preisgericht verteilt sich die Preissumme auf folgende Prämierungen:

  • den Preis des Wettbewerbs mit 7.500 Euro
  • vier Auszeichnungen mit je 5.000 Euro
  • fünf Anerkennungen mit je 1.500 Euro.

Einsendungen für eine zweckbezogene Verwendung. Alternativ ist auch eine zweckbezogene Zuwendung an die örtliche Gemeinde zugunsten der prämierten Einsendung möglich.

In der Organisation und Durchführung des Wettbewerbs wird die Wüstenrot Stiftung von der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung (München) unterstützt. Die Bewertung der Wettbewerbseinsendungen erfolgt durch ein fachübergreifend zusammengesetztes und in seiner Entscheidung unabhängiges Preisgericht.

Preisverleihung und Dokumentation

Die Preisverleihung findet im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung statt. Die prämierten Einsendungen werden in einer Dokumentation und in Form einer Wanderausstellung veröffentlicht.