Denkmalpflege der Moderne

Dieses Buch ist keine simple Anleitung für die Kunst der Denkmalpflege der Moderne. Es soll auch keine neue Theorie befeuern oder die traditionellen Prinzipien der Denkmalpflege in Abrede stellen. Ganz im Gegenteil.

Die Wüstenrot Stiftung will zeigen, dass gegenüber den komplexen und besonderen Herausforderungen beim Umgang mit Denkmalen der Moderne eine klare Haltung notwendig ist – und dass es dabei um nichts weniger geht als die Bewahrung von gefährdetem kulturellem Erbe unserer jüngsten Vergangenheit. Um ein Architekturerbe, dessen Werte, besonders wenn es um zeitlich nahe Bauwerke geht – heute sind es bereits auch die der 1960er und 1970er Jahre – noch nicht ausreichend erkannt und geschätzt werden; weder in der Gesellschaft noch in Teilen der Fachwelt.

Denkmalpflege der Moderne (Cover)

Die Publikation, erhältlich über den Buchhandel

Das Buch soll die Sinne derjenigen anregen und schärfen, die mit Denkmalen der Moderne zu tun haben – also Eigentümer, Nutzer, Architekten, Fachplaner, Denkmalpfleger und interessierte Laien. Es soll im besten Fall auch Menschen sensibilisieren, die diesen Denkmalen kritisch gegenüberstehen oder denen der Schutz der sichtbaren Hülle genügt. Es soll nachdenklich machen, wenn statt einer differenzierten und eigenständigen Herangehensweise nur imitiert oder reproduziert wird.

Denkmale der Moderne altern oft anders als wir es wünschen oder erwarten. Oft anders, als es der öffentlichen Meinung gefällt. Sie verlieren an Jugend und Schönheit, an Ausstrahlung und Erkennbarkeit der Idee ihres Verfassers. Manchmal wird empfunden, sie seien niemals schön gewesen und ihr Verlust biete Chancen auf Verbesserung der gebauten Umwelt. Nicht selten nimmt die Zeit Denkmalen ihre sinnvolle Nutzung. Neue Anforderungen an ihre Funktionalität und ihre energetischen oder sicherheitstechnischen Eigenschaften legen ihnen oft unerträgliche Lasten auf. Und zu allem Übel können in der Nutzungsgeschichte neue Qualitäten entstehen, die wiederum eigenen Wert haben, den es zu bewahren gilt.

Die Wüstenrot Stiftung kümmert sich auch deshalb seit fast 15 Jahren mit Ausdauer und Leidenschaft um diese Denkmale. Unter anderem, indem sie die verantwortliche Bauherrschaft übernimmt, wenn es um deren Transformation in unsere Gegenwart und Zukunft geht. Aus den vielfältigen Erfahrungen, die dabei gemacht wurden, entstand die Idee, auch andere Praxisbeispiele und deren Konzepte zu beschreiben, zu analysieren und zu bewerten, die Prozesse und das Ergebnis der Bemühungen um diese Denkmale zu erfassen, zusammenzutragen und öffentlich zugänglich zu machen. Nach umfassender Recherche von Unterlagen und Orten sowie zahlreichen Gesprächen wurden achtzehn Praxisbeispiele gefunden und acht Themenpaare ausgewählt, die in einzelnen Beiträgen gesondert beleuchtet werden: Material und Konstruktion, Farbe und Oberfläche, Raum und Form, Architektur und Landschaft, Normen und Standards, Nutzungskontinuität und Wandel, Altersspuren und Zeitgeschichte sowie Erhaltung und Pflege.

Alle Projekte zeigen den außerordentlichen Einsatz der privaten, öffentlichen oder auch kirchlichen Eigentümer und die beeindruckende Umsetzungskompetenz der Beteiligten. Fünf der achtzehn Praxisbeispiele sind aus dem Denkmalprogramm der Wüstenrot Stiftung: Erich Mendelsohns Einsteinturm in Potsdam, Sep Rufs Kanzlerbungalow in Bonn, Hans Scharouns Landhaus Schminke in Löbau, Le Corbusiers Doppelhaus in der Weissenhofsiedlung in Stuttgart und Walter Gropius‘ Meisterhaus Muche / Schlemmer in Dessau.

Grundlage aller Maßnahmen und Eingriffe bildet die Bauforschung, um das Bauwerk kennen und verstehen zu lernen; zudem brauchen wir denkmalpflegerische, wirtschaftliche, technische, nutzungsbezogene und gestalterische Ziele in unterschiedlicher Art und Gewichtung. Am Ende stehen Pflegepläne, die die Nachhaltigkeit jeder Maßnahme sicherstellen. Es wird deutlich, dass eine schöpferische Annäherung, ein selbstbewusster Dialog mit dem Vorgefundenen, Respekt vor den Spuren der Nutzungsgeschichte und die Erhaltung der Befragbarkeit des Denkmals für spätere Zeiten und neue Fragestellungen das Wesen eines Denkmals trotz aller Verluste am ehesten erlebbar machen.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Docomomo Deutschland, der Stiftung Bauhaus Dessau und einem kompetenten und professionellen Autorenteam entwickelt.

Hier geht es zur Publikation.

Projektlaufzeit:
2007 – 2012