Zwischenbilanz zum Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR

Staatsratsgebäude Berlin (Foto © Axel Mauruszat)

Staatsratsgebäude Berlin (Foto © Axel Mauruszat)

Architektur und Städtebau der 1960er und 1970er Jahre werden sowohl in West- wie in Ostdeutschland in der Öffentlichkeit zu wenig als Teil der nationalen Baukulturgeschichte verstanden und geschätzt. Gebauten Produkte dieser Zeit lassen sich jedoch nicht über einen Kamm scheren, weil dadurch besonders hervorragende Bauten der Abrissbirne zum Opfer fallen oder so sehr umgebaut und „ertüchtigt“ werden, dass sie der Gegenwart und Zukunft als Denkmal verloren gehen. Interesse wird oft erst ausgelöst, wenn Verlust droht. Gerade diese Verlusterfahrungen lassen Werte in den letzten Jahren ins Bewusstsein rücken und es entsteht eine zunehmend von Offenheit geprägte Diskussion. Die dadurch beginnende Wertschätzung und Beachtung kann jedoch durch die staatliche Denkmalpflege oft nicht früh genug oder nicht ausreichend in Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Daher gilt es, diesen Prozess innerhalb der Denkmalpflege zu unterstützen.

Mit dem Projekt werden Kriterien und Maßstäbe für die Bewertung von DDR-Architektur der 1960er und 1970er Jahre vertieft und theoretische wie auch praktische Strategien für den Umgang mit diesem gebauten Erbe herausgearbeitet. Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Denkmalvermittlung, also die Sichtbarmachung dieser bedrohten Baukultur auch außerhalb der Fachkreise.

2011 begann die Wüstenrot Stiftung die Arbeit an einem Forschungsprojekt, das eine Zwischenbilanz zum baulichen Erbe der DDR der Jahre 1960 bis 1980 ziehen und den Umgang damit sowie die denkmalpflegerischen Herausforderungen beleuchten sollte. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden Hunderte von Bauten unterschiedlichster Bauaufgaben erforscht und dokumentiert sowie Denkmalpfleger/innen und Zeitzeugen/innen befragt. So wurde ein exemplarischer Überblick über das bauliche Erbe der DDR sowie über Erhaltungsperspektiven und -strategien geschaffen. Projektbeauftragter wurde der Berliner Kunsthistoriker Dr. Roman Hillmann, der das Projekt als anerkannter Experte federführend betreut.

Ein wichtiger Zwischenschritt für das Forschungsprojekt war Anfang 2014 die Fachtagung „Denkmal Ost-Moderne II“ –
durchgeführt von der Wüstenrot Stiftung zusammen mit der Bauhaus-Universität Weimar. Die Tagung wurde zu einer Bestandsaufnahme von Wissen über praktische denkmalpflegerische Themen und zu einem lebhaften Erfahrungsaustausch. Ihre Inhalte wurden 2016 unter dem Titel „Denkmal Ost- Moderne II – Denkmalpflegerische Praxis der Nachkriegsmoderne“ veröffentlicht.

Die Endergebnisse des Forschungsprojekts werden 2018 nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Publikation versammelt 13 Fachautoren, die sich in ihren Beiträgen aus der Perspektive der Architektur- und Bautechnikgeschichte, der Denkmalpflege und der Ingenieurwissenschaften mit der Architektur der DDR auseinandersetzen. Hierbei werden Eigenarten und Werte des baulichen Erbes der DDR thematisiert, der bisherige Umgang resümiert und Perspektiven für die Denkmalpflege aufgezeigt.

Das Projekt in den Medien

Deutschlandfunk Kultur am 28.09.17 :

„Stadtplanung in der DDR“ – Ein Gespräch mit dem Architekturhistoriker Dr. Roman Hillmann

Projektlaufzeit:Projektleiter:Weitere Autoren:
2011 -2018Dr. Roman HillmannMichael Bräuer, Prof. Berthold Burkhardt,
Dr. Andreas Butter, Dr. Harald Engler, Dr. Mark Escherich, Dr.
Ulrich Hartung, Sebastian Hettchen, Dr. Thomas Hoscislawski,
Prof. Dr. Wolfram Jäger, Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier, Volker
Mund, Martin Petsch, Dr. Lars Scharnholz, Dr. Bernhard Sterra