Biblisches Haus in Görlitz

Das „Biblische Haus“ in Görlitz ist eines der bedeutenden Bürgerhäuser der Renaissance in Deutschland. Die Entstehung des Hauses geht in das 16. Jahrhundert zurück, als Görlitz internationaler Marktplatz und Stadt der Tuchweber war. Nach ober-italienischem Vorbild und in der Tradition schlesischer Hallenhäuser erbaut, stellt es einen speziellen Bautypus dar, in dem textile Produktion und Handel ihren kulturellen Ausdruck fanden. Die Bezeichnung „Biblisches Haus“ erhielt das Gebäude wegen der berühmten Reliefs aus Sandstein, die Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament zeigen. Die repräsentative Straßenfassade blieb über drei Jahrhunderte erhalten.

Aufgrund seiner überregionalen Bedeutung und der Dringlichkeit seiner baulichen Erhaltung nahm die Wüstenrot Stiftung das „Biblische Haus“ in ihr Denkmalprogramm auf. Die Stiftung und die Stadt Görlitz bildeten eine Bauherrengemeinschaft, um die Gesamtmaßnahme der Wiederherstellung auch von den Kosten her bewältigen zu können.

Frontansicht des Biblischen Hauses (Foto © Thomas Wolf, Gotha)

Frontansicht des Biblischen Hauses (Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung)

Die Stiftung erarbeitete eine denkmalpflegerische Konzeption, die Grundlage für alle Planungen und baulichen Maßnahmen wurde. Der Erhaltung und Instandsetzung des Hauses ging eine umfangreiche restauratorische Bauforschung voraus.

Zentrale Maßnahmen konzentrierten sich auf die statisch-konstruktive Sicherung des Gebäudes, die Restaurierung der Straßenfassade mit den Bildreliefs, die Wiederherstellung der Hoffassade sowie auf die Revitalisierung der baulichen Substanz des Hauses im Inneren. Die Rückgewinnung der historischen Fassung des im Obergeschoss liegenden bedeutenden Renaissancesaales nach neuesten Lasertechniken war eine besondere Herausforderung. Oberstes Ziel war es, ein Maximum der originalen Architektur des Hauses auch unter Berücksichtigung der Spuren der langen Bau- und Nutzungsgeschichte zu erhalten und das Baudenkmal insgesamt wieder behutsam funktionstüchtig zu machen.

Das Biblische Haus beherbergt seit 2010 die Verwaltung des Kulturhistorischen Museums, das sich im Nachbargebäude befindet.

Projektlaufzeit:Zuständige Architekten:Eigentümer/Nutzer:
1999 – 2004Nitzsche und Nowack. Bauforscher und Architekten, GörlitzStadt Görlitz/Städtische Sammlung für Geschichte und Kultur