Betonwaben und Dickglasfenster der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche von Egon Eiermann in Berlin

Die Südseite der Kapelle, im Hintergrund der Glockenturm mit der charakteristischen Beton-Wabenstruktur (Foto © Steffen Obermann, Berlin)

Die Südseite der Kapelle, im Hintergrund der Glockenturm mit der charakteristischen Beton-Wabenstruktur (Foto © Steffen Obermann, Berlin)

Die vier Bauten Egon Eiermanns rund um die Turmruine der zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche verbindet ein einheitliches Prinzip: die Stahlskelettkonstruktion mit einer Ausfachung aus Betonfertigteilen. Im strengen Erscheinungsbild der gerasterten Fassade und der klaren Geometrie der Baukörper – Rechteck, Sechseck und Achteck – zeigt sich eine neue Haltung im Sakralbau.
Den Betonfertigteilen (Betonwaben) der Fassade kommt ein besonderer Stellenwert zu. Sie gliedern sich in quadratische Öffnungen und erzeugen eine filigrane Struktur. Zunächst scheinen sich die Oberflächen der Fassaden zu gleichen. Bei genauer Betrachtung verfügt jedoch jedes Gebäude über eine eigene Ausprägung und Struktur der Waben. Die über 480 Betonwabenelemente aller Baukörper sind mit Schrauben an den Stahllaschen der tragenden Stahlkonstruktion von innen verschraubt. Ausnahme ist das Foyer, bei dem die Wabenkonstruktion außen liegend vorgeschraubt wurde. Auch die Farbigkeit der eingefügten Dickglasfenster variiert.
Die Waben von Kirche, Kapelle und Turm stammen aus der renommierten Glaswerkstatt Gabriel Loire in Chartres. Während die weißen Glasfenster der Kapelle nur wenige Farbakzente aufweisen, sind die Waben von Kirche und Turm in blau-bunter Farbigkeit ausgeführt. Hinter den Waben des Foyergebäudes verbergen sich Fenster mit Milchglasscheiben.

Die Instandsetzung

Schadensbild an den Waben

Ihr ästhetisch motiviertes und filigran ausgearbeitetes Konstruktionsprinzip ist zugleich Verhängnis für die Waben. Ihre an vielen Stellen sehr geringe Betonüberdeckung (ca. 1,5– 2,3 cm) aus hellem körnigen Waschbeton mit Zuschlägen aus weißen Quarzkieseln kann die konstruktive Eisenbewehrung nicht ausreichend schützen und lässt sie korrodieren. Die Folge sind Betonabplatzungen großen Umfangs, wodurch das Gebäudeensemble bereits eine dramatische Instandsetzungsund Sanierungsgeschichte mit Kampagnen im Abstand von zehn bis 15 Jahren hinter sich hat.
Die Betonkonstruktion findet in ihrer filigranen Ausbildung ihren Höhepunkt im oberen Teil des Turms an der Glockenstube. Hier weisen die Fertigteile zahlreiche kleine Schallöffnungen für die Glocken auf. Hinzu kommen problematische Witterungseinflüsse und schadhafte Ergänzungen früherer Reparaturen. Die extrem schlanken Querschnitte sind bereits so stark geschädigt, dass kaum noch genug Substanz für eine Reparatur vorhanden ist. Andere Betonwabenfelder des Ensembles sind teils mit mehreren unterschiedlich alten und pigmentierten Beschichtungen überzogen.

Schadensbild an den Dickglasfenstern

Nicht nur die Betonwaben, auch die nur ca. zwei Zentimeter starken Dickglasfenster sind zum Teil stark verschmutzt und weisen Schäden auf. Eine Ursache hierfür ist die umlaufende und innenliegende Bewehrung aus unverzinktem Draht. Die korrodierenden Randdrähte erzeugen Sprengdruck. Teilweise zerfallen die Gläser bei Freilegung des korrodierten Randdrahts in ihre Einzelteile.

Das Instandsetzungskonzept

Die Wüstenrot Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, beispielhafte Handlungswege für den künftigen Umgang mit den Betonwaben und Dickglasfenstern zu finden und aufzuzeigen. Insbesondere soll der kurze Instandsetzungszyklus verlängert werden.
Zu diesem Zweck wurden u. a. das zeitgeschichtliche und bauhistorische Material gesichert und ausgewertet, Bausubstanz und Gebäudetechnik untersucht und bewertet sowie Schäden, Mängel und Defizite identifiziert. Auf dieser Grundlage wurden ein Maßnahmenkatalog für die denkmalpflegerische Instandsetzung konzipiert sowie die Projektkosten ermittelt. Der Planungsprozess für ein differenziertes Konzept für den Glockenturm, das sowohl die Reparatur der vorhandenen Wabenelemente als auch den Neubau von extrem geschädigten Wabenelementen vorsieht, dauert noch an. Im Rahmen der Instandsetzung der Kapelle konnten dort der Erhalt der Betonwaben und die Wiederherstellung der ursprünglichen Ästhetik bereits beispielhaft umgesetzt werden.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
seit 2014 Büro für Architektur, Denkmalpflege und
Bauforschung adb, Ewerien und Obermann, Berlin: Steffen
Obermann, Karen Schlisio, Ingo Haase; Dr. Jacobs & Hübinger,
Büro für Gartendenkmalpflege und Landschaftsarchitektur,
Berlin: Petra Hübinger; Heimann Ingenieure, Berlin: Ulrich
Heimann, Frank Linke, Karsten Dochow; RWP Beratende
Ingenieure für Bauphysik, Berlin: Stephan Rieger; Bundesanstalt
für Materialforschung und -prüfung BAM, Berlin:
Dr. Hans-Carsten Kühne; GSE Ingenieur-Gesellschaft, Berlin:
Sven Pöhner, Jürgen Marschner; Gesellschaft für Sicherheitsund
Umwelttechniken: Matthias Failing; Gesellschaft für Wissenstransfer
in der Gebäude-Diagnostik, Berlin: Detlef Ullrich;
Glasmalerei Peters, Paderborn: Christoph Sander; Schubert
Vermessungsbüro, Blankenfelde: Bodo Schubert.
Außerdem 34 Unternehmen in der Bauausführung
Denkmalbehörden: Landeskonservator Prof. Dr. Jörg Haspel,
Sybille Haseley, Dr. Thomas Schmidt, Ingrid Lohse
Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche/
Evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde
Berlin: Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, Pfarrer Martin
Germer, Ingeborg Burgert