Stipendiatenhaus der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel – Anna-Vorwerk-Haus

Fassade des Anna-Vorwerk-Hauses nach der Sanierung (Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung)

Fassade des Anna-Vorwerk-Hauses nach der Sanierung (Foto: Thomas Wolf © Wüstenrot Stiftung)

Das Anna-Vorwerk-Haus in Wolfenbüttel, das mit seinem heutigen Namen an die im späten 19. Jahrhundert dort wohnende Reformpädagogin Anna Vorwerk erinnert, verbirgt auf den ersten Blick sein Alter und seine Konstruktion. Eine Jugendstil-Putzfassade prägt die zur Straße gerichtete Seite des um 1700 vom braunschweig-lüneburgischen Landbaumeister und Architekten Hermann Korb erbauten Fachwerkhauses. Paul Eyferth, Bürgermeister der Stadt und Bewohner des Hauses, ließ sie im Rahmen umfassender Modernisierungsarbeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufbringen.

Heute macht die Fassade, neben schablonierten Farbfassungen und Bemalungen von Wänden und Decken, Tapetenfragmenten, zahlreichen Fenster- und Türausstattungen verschiedener Bauphasen sowie dem Balkonanbau an der Rückseite, den wesentlichen Denkmalwert des Gebäudes aus. Die Jugendstilfassade konnte komplett erhalten werden, lediglich partiell wurden geschädigte Fachwerkteile ausgetauscht. Diese Arbeiten erfolgten von der Innenseite, ohne die Putzfassade von außen zu beschädigen.

Die im Juni 2013 abgeschlossene Sanierung des Anna-Vorwerk-Hauses wurde maßgeblich von der Wüstenrot Stiftung, in Verbindung mit der Eigentümerin, der Gesellschaft der Freunde der Herzog August Bibliothek, durchgeführt und zu etwa 80% finanziert. Die Wüstenrot Stiftung steuerte 2,85 Millionen Euro zu der Baumaßnahme hinzu, die insgesamt 3,4 Millionen Euro kostete. Die restlichen Finanzmittel wurden vom Land Niedersachsen dem Bund, von der Stadt Wolfenbüttel und von der Gesellschaft der Freunde aufgebracht.

Die Nutzung des Gebäudes soll sich ganz auf die Stipendien- und Tagungsprogramme konzentrieren, deren Pflege an diesem Ort seit fast 40 Jahren eine Tradition hat. Neben dem Stipendiensekretariat werden Studienräume für Stipendiaten eingerichtet. An der Bibliothek tätige Gastforscher werden sich täglich beim mittäglichen Stipendiatenkaffee im Saal oder im Garten treffen und untereinander austauschen. Der große Saal fungiert auch als Raum für Vorträge und Empfänge. Hier präsentieren die Stipendiaten in regelmäßigen Kolloquien ihre Forschungsergebnisse, und hier finden Vorstellungen der hauseigenen Forschungsprojekte statt. Das Haus bildet so einen unverzichtbaren Eckstein des kommunikativen Austausches zwischen Mitarbeitern, Gästen und Stipendiaten.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
2007 – 2013Pitz + Hoh, Werkstatt für Architektur und Denkmalpflege, BerlinGesellschaft der Freunde der Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel