ZukunftsWerkstattWohnbauen 2014

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ZukunftsWerkstattWohnbauen (Foto: Andrea Diefenbach © Wüstenrot Stiftung)

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ZukunftsWerkstattWohnbauen (Foto: Andrea Diefenbach © Wüstenrot Stiftung)

WISSEN SCHAFFT STADT: Die Internationale Bauausstellung (IBA) Heidelberg baut bis 2022 am Ideal der Wissensstadt der Zukunft. Dies bedeutet Bauen für lebenslanges Lernen von der frühkindlichen Förderung bis zur akademischen Exzellenz, von der Kita bis zur Uni, aber auch für eine Bevölkerung, die sich durch die Mischung der Generationen, durch Internationalität und die studien- oder berufsbedingte Fluktuation der „akademischen Migranten“ auszeichnet. Im September 2014 hat die Wüstenrot Stiftung die Frage nach der Zukunft der Stadt in der Wissensgesellschaft in ihrer ZukunftsWerkstattWohnbauen aufgegriffen. Die im zweijährigen Turnus stattfindende Sommerakademie für postgraduierte Architekten/innen und Stadtplaner/innen widmet sich an ihrem jeweiligen Veranstaltungsort Planungsaufgaben, die einerseits ortsspezifisch und andererseits auch auf andere Standorte übertragbar sind. Ermöglicht wird die Teilnahme an der ZukunftsWerkstattWohnbauen durch ein Stipendium, das die Wüstenrot Stiftung seit 1999 vergibt.

Wie in vielen südwestdeutschen Städten stehen auch in Heidelberg nach dem Rückzug der US-amerikanischen Streitkräfte diverse Konversionsflächen für die städtische Weiterentwicklung zur Verfügung – unter anderen die „Patton Barracks“ in unmittelbarer Nähe zur neu entwickelten Bahnstadt. Hier soll ein urbanes, zukunftsfähiges Stadtquartier mit attraktiven Verkehrs- und Freiräumen für Wohnen, Arbeiten, Forschen und die Freizeit entstehen. In zwölf Tagen intensiver Arbeit analysierte die ZukunftsWerkstattWohnbauen das Gebiet und entwickelte Lösungsansätze zur Entfaltung städtischer Potenziale.

Gemeinsam mit der IBA Heidelberg organisierte die Wüstenrot Stiftung ein die ZukunftsWerkstattWohnbauen flankierendes, öffentliches Symposium, das den Teilnehmer/innen, aber auch den Heidelberger Bürger/innen die Chance bot, die aktuellen Aufgaben in der Stadtentwicklung an der Schnittstelle von Theorie und Praxis zu diskutieren. Die Referenten waren Johannes Böttger, Ernst Hubeli, Anne Kaestle, Prof. Dr. Ulf Matthiesen, Peter Nageler, Klaus-D. Neumann, Herwig Spiegl und Marco Zünd.

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Harter Kern

Der Ansatz der Arbeitsgruppe von Dirk Bayer nimmt die Infrastruktur des Gebiets in den Fokus. Erschließungskerne werden wie in einem Landschaftspark errichtet und dienen als Dockingstation für verschiedene Nutzungen. Die Entwicklung des Gebietes kann sich über viele Jahre erstrecken – je nachdem wann die neuen Siedler kommen. Wer diese sein werden, ist durch die Architektur nicht festgelegt. Dieses Konzept bietet die Grundstruktur für noch unbekannte Akteure: offen für unterschiedlichste Bedürfnisse und Erwartungen.

Kontext

Die Lage der Patton Barracks zwischen Bahnstadt und Kirchheim steht im Fokus des Entwurfs mit dem Titel „Kontext“ der Arbeitsgruppe von Meinrad Morger. Ziel ist ein urbaner und lebendiger Stadtteil, der die Brücke zwischen den angrenzenden Gebieten schlägt. Im Westen des Geländes werden Bauten für unterschiedlichste wissenschaftliche Institute entstehen. Dieser „Wissenschafts-Strip“ wird den neuen Stadtteil zur vielbefahrenen Speyerer Straße abschirmen. Im Zentrum des Quartiers werden bestehende Gebäude saniert, erweitert und durch Neubauten ergänzt, hier soll Raum für Wohnen, Arbeiten, Kultur und das gemeinsame Leben entstehen. Und schließlich bildet ein großer öffentlicher Park den Abschluss nach Osten.

Utopie

Der Entwurf „Utopie“ der Arbeitsgruppe von Antje Freiesleben ergänzt den Bestand der Patton Barracks mit einer architektonischen Großform. Basierend auf Substanz und Struktur der bestehenden Gebäude entwickelt sich eine originäre, also ortsspezifische Form. Die Grundbedingungen für diesen neuen Stadtteil Heidelbergs definieren ein Programm: So gibt es keine unterschiedliche Architektur für Arm und Reich. Die großzügigen, platzartigen Höfe sind öffentliche Orte der Begegnung, doch es gibt für jede Einheit einen privaten Freiraum. Viele verschiedene Nutzer sollen hier Einzug halten und in dem offenen, pulsierenden Quartier wohnen und arbeiten.