Umlauftank 2 von Ludwig Leo in Berlin

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Frontansicht des Umlauftank 2 (Foto: Philip Lohöfener © Wüstenrot Stiftung)

Die erste internationale Würdigung des Umlauftank 2 (UT 2) erfolgte bereits 1981 von Peter Cook in der Architectural Review mit dem Artikel „Berlin Mysteries“. 1984 schrieb Heinrich Klotz in seinem Werk „Moderne und Postmoderne“ über den UT2: „Und wirklich haftet dieser technischen Konstruktion im höchsten Sinne (…) der Ausdruck des Magischen an. Gerade weil sie ihren Funktionszusammenhang so offen darzustellen scheint, wird ihre Gestalt rätselhaft. Der Vorübergehende nimmt zwar die Funktionsbetonung wahr, kennt die Funktion selbst aber nicht (…). Die Magie der Technik entsteht gleichsam aus der Unkenntnis der Kausalitäten und aus der Überhöhung dieser Unkenntnis in der Form;“ Leo habe die „Tatsächlichkeit in ein Drama verwandelt.“ Dieter Hoffmann-Axthelm ergänzte im Jahr 2004: „Es ist diese Mischung aus Zweckbau, preußischem Reiterstandbild, technischer Moderne und amerikanischer Pop Art. Man könnte fast vergessen, nach dem Architekten zu fragen, denn das Gebäude steht da, als könnte es gar nicht anders sein.“ 2005 formulierte Wolfgang Pehnt: „Bei der Wasserversuchsanstalt am Tiergartenrand kniet ein aufgeständertes Laborgebäude auf einem riesigen Umlaufkanal wie Siegfried auf dem bezwungenen Lindwurm“.

Der UT 2 dient der Technischen Universität Berlin für Versuche mit Schiffsmodellen, für Widerstands-, Freifahr-, Propulsions-, Manövrier- und Kavitationsversuche sowie zur Strömungsbeobachtung. Seine ursprüngliche Nutzung bleibt auch in Zukunft für Forschungen im Bereich der Dynamik und des Entwurfs maritimer Systeme, der Fluidsystemdynamik und der experimentellen Strömungsmechanik erhalten.

Nachdem die Wüstenrot Stiftung eine Machbarkeitsstudie erstellt und die grundsätzlichen Möglichkeiten einer Reparatur und Instandsetzung des 1974 fertiggestellten Umlauftanks ausgelotet hatte, begannen 2014 die Planungsarbeiten durch die Architekten HG Merz aus Stuttgart und adb aus Berlin.

Der UT 2 ist ein sehr junges Denkmal und steht exemplarisch für die z. T. schlechten Alterungseigenschaften seiner Materialien. Neben umfangreichen Archivrecherchen zur Sicherung und Auswertung von zeitgeschichtlichem und bauhistorischem Material sowie der Veränderungsgeschichte, einer bauliche Bestandsaufnahme und der Einschätzung des Bestandes hinsichtlich seiner Originalität liegt ein Schwerpunkt der Arbeiten deshalb auf dem Untersuchen und Bewerten von Bausubstanz, Tragwerk, Haustechnik, Bauphysik, Brandschutz und Schadstoffen und dem Abwägen des besten denkmalpflegerischen Umgangs mit dem UT 2.

Besonders die Metallpaneel-Fassade stellt sich als große Herausforderung und Anlass ausführlicher Diskussionen der Projektbeteiligten dar. Es handelt sich bei den ehemals blauen Thermowand-Sandwichpaneelen der Laborhalle um ein industriell gefertigtes Verbundsystem aus Blech und PUR-Schaum, welches bereits sichtbar geschädigt ist. Das bereits im Zuge der Machbarkeitsstudie entwickelte und durch eine Vielzahl von Mustern und Versuchen überprüfte Reparaturkonzept sieht vor, die sichtbar rostigen Stellen aus dem äußeren Blech auszuschneiden um dann das übrige Paneel mit einem Reparaturblech komplett zu überdecken. Belastbare Erkenntnisse über den von außen nicht sichtbaren Zustand der Bleche konnten jedoch erst Ende 2015 ermittelt werden, nachdem das statisch und ausführungstechnisch extrem komplexe Gerüst gestellt werden konnte. Erst jetzt konnten alle Paneele im Rahmen eines Wirbelstromverfahrens mit einer Handsonde abgefahren und analysiert werden. Die Ergebnisse zeigen Tauwasserabfall an der Innenseite der Außenbleche und unerwartet starke innere Korrosion, sodass zu befürchten ist, dass die Paneele innerhalb der ursprünglichen Konstruktion ausgetauscht werden müssen.

Bei der rosa Röhre wurde durch umfangreiche Untersuchungen nachgewiesen, dass diese trotz eindringender Feuchtigkeit keine gravierenden Schäden aufweist und somit die PU-Hülle nicht ausgetauscht werden muss. Das Reparaturkonzept sieht vor, schadhafte und undichte Stellen in Form klassischer Vierungen auszuschneiden, mit neuen Material wieder aufzubauen und der Oberfläche anzugleichen. Die Reparaturstelle wird zwar ablesbar, aber kaum wahrnehmbar sein, da auch die Urbeschichtung handwerklich aufgebracht wurde und – im Gegensatz zur Paneel-Fassade – keine homogene und gleichmäßige Oberfläche aufweist.

Auch die Oberflächen im Inneren der Laborhalle, wie der PVC- Boden und die textile Bespannung der Absturzsicherung, werden im Original erhalten und lediglich restauratorisch behandelt.

Da der UT 2 kein klassisches Gebäude ist, sondern im Grenzbereich zwischen Architektur, Industriebau, Maschine und wissenschaftlichem Gerät liegt, besteht eine besondere Herausforderung auch in seinem Tragwerk und dem Verhalten seiner Gesamtkonstruktion bei laufenden Betrieb. Beim UT 2 besteht der Betrieb aus zwei jeweils 2.750 PS-starken Schiffsdieseln, die einen 4-flügeligen Verstell-Propeller antreiben um insgesamt 3.300 Tonnen Wasser bis zu einer Strömungsgeschwindigkeit von 10 Metern pro Sekunde in Bewegung zu setzen. Diese in „normalen“ Gebäude unüblichen Kräfte müssen vom UT 2 auch in Zukunft aufgenommen werden, ohne dass die entstehenden Schwingungen zu Schäden führen. Aus diesem Grund wurden auch die Standfestigkeit und Tragfähigkeit des UT 2 untersucht. Im Ergebnis konnte nachgewiesen werden, dass aufgrund der Eigenschwingungsanalyse und Betriebsschwingungsformanalysen keine dynamischen Schwachstellen zu erkennen sind und dass auch bei relativ großer Nutzungsdauer keine Schäden an der Struktur zu erwarten sind.

Die Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten wurden Mitte 2015 begonnen.

Durch die im Rahmen des Projekts konzipierte Ausstellung „Ludwig Leo Ausschnitt“ von BARarchitekten und Gregor Harbusch wird die Reparatur- und Instandsetzung des UT 2 flankiert und die Bedeutung von Leos Werk zusätzlich sichtbar gemacht. Die Ausstellung wurde bisher in Berlin, Stuttgart und London gezeigt.

Das Projekt in den Medien

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Ausstellung:Eigentümer/Nutzer:
2010 –HG Merz Architekten Museumsgestalter: Prof. Dr. h.c. HG Merz, Stefan Motz; adb, Ewerien und
Obermann: Steffen Obermann, Ingo Haase; Heimann Ingenieure: Alexander Hensel; GSE Ingenieur-Gesellschaft: Sven Haase; BHR Ingenieurgesellschaft: Gunner Perlitz, Aron Farr; Müller-BBM: André Wittkopf, Helmuth Bachmann, Frank Hülsenberg; KLW Ingenieure: Dr. Wolfgang Menzel; BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung: Joachim Fischer; USP Ultraschall Prüfservice: Thomas Hupatz; Dr. Susanne Salinger Ökologische & Ornithologische Gutachten
BARarchitekten: Antje Buchholz, Jack Burnett-Stuart, Michael von Matuschka,
Jürgen Patzak-Poor sowie Gregor Harbusch
Land Berlin/TU Berlin: Prof. Dr. Paul Uwe Thamsen, Boris Höppner, Carsten Funke, Prof. Dr. Andrés Cura Hochbaum, Julia Köller, Lars Oeverdieck,
Karsten Rieck, Norbert Schönfeld, Martin Schwacke