Siedlerhaus von Egon Eiermann in Hettingen/Odenwald

Siedlung für Heimatvertriebene von Egon Eiermann, Gartenansicht (Foto: ©Bernd Hausner)

„Ich halte es für falsch, Fehlinvestitionen in der Art zu machen, dass jetzt notdürftige Bauten, die später ersetzt werden müssen, erstellt werden. Der Bedarf ist so ungeheuer, dass kein neues Gebäude für Jahrzehnte frei sein wird. Darin liegt eine große Verantwortung der Menschheit gegenüber, die ein Heim, aber keine Baracke, keine Kaserne und keine Hundehütte haben soll (…)“ sagte Egon Eiermann im Jahr 1946 anlässlich seiner Planungen für eine Siedlung für Heimatvertriebene in Buchen-Hettingen im Odenwald.

Nicht nur architektur-, sondern auch sozialgeschichtlich ist die Siedlung deshalb von großer Bedeutung und war 2009/2010 bereits Gegenstand der großen Landesausstellung „Ihr und wir – Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart.

Die Häuser und die verwendeten Materialien sprechen von der Not der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und sind Zeugnis vom unbedingten Willen des Ortspfarrers Heinrich Magnani und Eiermanns, den Heimatvertriebenen bestmögliche Lebensbedingungen zu schaffen. Die Gestaltung der Häuser bindet nahtlos an Eiermanns Berliner Frühwerk an und ist eines der wenigen Denkmale der „Vor-Wirtschaftswunderzeit“ überhaupt.

Nachdem die Wüstenrot Stiftung eine Machbarkeitsstudie erstellt und die grundsätzlichen Möglichkeiten einer Reparatur und Instandsetzung eines der 1948 fertig gestellten Häuser ausgelotet hatte, begannen 2013 die Planungsarbeiten durch die Architektin Alexandra Wolfram aus Buchen-Hettingen.

Trotz 60 Jahre langer Nutzung waren die Fenster und Türen, Einbaumöbel, Wasch- und Spülbecken sowie einige Ausstattungsgegenstände noch im Original vorhanden, größtenteils jedoch in einem Schuppen eingelagert. Im Keller konnten zwei von Eiermann entworfene Möbel der Erstausstattung sichergestellt werden. Durch die Bewohner wurden während der kompletten Nutzungszeit nur geringfügige Umbauten vorgenommen.

Entscheidend bei der Umsetzung waren der Erhalt und die Konservierung aller historischen Oberflächen einschließlich behutsamer restauratorischer Ergänzungen. So wurden im Erdgeschoss die Wand- und Deckenflächen mit einer körnigen reversiblen Schlämme überfasst. Die Türen und Möbel wurden repariert und aufgearbeitet. Die in den 1970er Jahren ausgetauschten Fenster wurden durch die aufgefundene Originalbauteile ersetzt. Eine vermutlich schon in den 1950 er Jahren eingefügte leichte Trennwand wurde zugunsten des damals innovativen Raumgefüges entfernt. Die charakteristische Außenfassade wurde behutsam repariert, schadhafte Dachziegel konnten mit bauzeitlichem Material ergänzt werden.

Die Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten wurden Ende 2014 begonnen und 2016 abgeschlossen. Noch ausstehend ist die geplante Wiederherstellung des Gartens gemäß bauzeitlichem Vorbild.

Zusammen mit dem Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte e. V. und der Wüstenrot Stiftung plant das Haus der Geschichte Baden-Württemberg für das Jahr 2018 eine Dauerausstellung im Haus einzurichten. In dieser sollen die Situation der Heimatvertriebenen und der Menschen im Dorf sowie das unermüdliche Engagement des Ortspfarrers Magnani in Verbindung mit den Ideen Eiermanns thematisiert und einer breiten Öffentlichkeit erschlossen werden.

Vorstand Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte e. V. mit besonderen Mitgliedern und Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung Philip Kurz

Vorstand des Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte e. V. mit besonderen Mitgliedern und Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung Philip Kurz
(Foto © Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte e. V.)

Projektlaufzeit:Zuständige Architekten:Eigentümer / Nutzer:Ausstellungsprojekt:
2011 – 2016Wolfram Architekten: Alexandra Wolfram; Wiegel Landschaftsarchitektur und Denkmalpflege: Helmut Wiegel; HPZ Haustechnik Planungsgesellschaft: Volker Wetzel; Böttcher Restaurierung: Silke und Ralph Böttcher; Restaurierungen Marcus Steidle: Marcus Steidle; Kurz u. Fischer Beratende Ingenieure: Erik Fischer; Ingenieurbüro Färber & Hollerbach: Karl-Heinz Hollerbach; Mikrobiologie und Konservierung: Dr. Stefanie Scheerer; Schadstoffe: Wolfgang Niemesch
Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte e. V.: Hans-Eberhard Müller, Roland Linsler, Karl Mackert, Wolfgang Voegele, Otto Kern.Haus der Geschichte Baden-Württemberg: Prof. Dr. Thomas Schnabel, Prof. Dr. Paula Lutum-
Lenger, Dr. Franziska Dunkel; Egon Eiermann Gesellschaft: Dr. Chris Gerbing