Schalenbauten von Ulrich Müther auf der Insel Rügen

Musikpavillon Kurmuschel Sassnitz (Foto © adb)

Musikpavillon Kurmuschel Sassnitz (Foto © adb)

Ulrich Müther (*1934 und † 2007 auf Rügen) war ein deutscher Ingenieur und Bauunternehmer, dessen kühne Schalenbauten eine bedingunsglose Moderne verkörpern und zu den herausragenden kulturellen Hinterlassenschaften der DDR zählen.

Vor allem an der Ostseeküste errichtete Müther eine Reihe spektakulärer Bauten wie etwa das Inselparadies in Baabe (1966), die Ostseeperle in Glowe (1968) und den Teepott in Warnemünde (1968). Zudem entwickelte Müther Ende der 1960er Jahre ein Verfahren für den Bau von Bobbahnen, welches so überzeugend war, dass Bob- und Schlittenbahnen weltweit nach Müthers Prinzip errichtet wurden.

Die Herstellung von Müthers nur wenige Zentimeter dünnen Schalen aus Beton war zeitaufwendig, aber materialsparend und entsprach daher den wirtschaftlichen Bedingungen der DDR. Ihre Gestaltung galt in den 1960er Jahren als Bild für den Fortschritt und steht in Zusammenhang mit den Arbeiten des spanisch-mexikanisch-US-amerikanischen Architekten Felix Candela und des Architekten Herbert Müller aus Halle, die bereits in den 1950er Jahren mit hyperbolischen Paraboloidschalen aus Beton experimentierten. Nach der Verstaatlichung seiner „Produktionsgenossenschaft des Handwerks“ zum VEB Spezialbau 1972 wurden seine Bauwerke auch zu einem Exportgut für die DDR. So konzipierte er seine Schalenbauten auch in Libyen, Jordanien, Kuwait, Polen, Kuba und Finnland.

Viele Bauten Müthers sind nach 1989 verfallen oder wurden mangels geeigneter Nutzung abgerissen. Internationales Aufsehen erregte der Abriss der Großgaststätte „Ahornblatt“ in Berlin im Jahre 2000. Die meisten heute noch existierenden Bauwerke von Müther stehen unter Denkmalschutz.

2014 hat die Wüstenrot Stiftung etliche Bauten Müthers begutachtet und zwei Beispiele ausgewählt, um die Möglichkeiten einer Instandsetzung auszuloten: den ehemaligen Rettungsturm der Strandwache in Binz (1981) und den Musikpavillon Kurmuschel in Sassnitz (1987), den Müther zusammen mit dem Architekten Dietmar Kuntzsch, Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und dem Statiker Otto Patzelt entwickelte. Beide Bauten zeichnen sich durch ihre jeweils prominente Lage an der Osteseeküste aus.

2015 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, die zu folgenden Punkten Aufschluss gibt:

  • Die kulturelle Bedeutung des Denkmals und die Verpflichtungen, die sich aus der Bedeutung ergeben
  • Die Sicherung und Auswertung des zeitgeschichtlichen und bauhistorischen Materials sowie der Veränderungsgeschichte
  • Die Untersuchung und Bewertung der Bausubstanz und der Gebäudetechnik ein­schließlich ihrer Schäden, Mängel und Defizite
  • Konzeption und Maßnahmenkatalog
  • Kostenschätzung, Terminablauf und Rahmenbedingungen

Mit den Eigentümerinnen der Bauwerke, der Gemeinde Ostseebad Binz und der Stadt Sassnitz, soll 2016 eine Vereinbarung über die denkmalpflegerische Instandsetzung getroffen werden. Die Arbeiten sollen 2017 fertiggestellt werden.

Projektlaufzeit:Machbarkeitsstudie:Eigentümer / Nutzer:
2015 – 2017adb, Ewerien und Obermann: Steffen Obermann, Dr. Beatrice Thön; GSE Ingenieur-Gesellschaft: Gabriele Henkens, Dietmar Böhme; Ingenieurbüro Niehsen-Baumann: Lutz BaumannRettungsturm 1 der Strandwache in Binz: Gemeinde Ostseebad Binz; Musikpavillon „Kurmuschel“ in Sassnitz: Stadt Sassnitz