Otto Bartning. Ausstellungs- und Publikationsprojekt

Innenansicht der Stahlkirche, 1928 (Foto © Otto-Bartning-Archiv der TU Darmstadt)

Innenansicht der Stahlkirche, 1928 (Foto © Otto-Bartning-Archiv der TU Darmstadt)

Im Jahr 2017 wird erstmals das Gesamtwerk des Architekten Otto Bartning (1883 – 1959), bekannt vor allem als Baumeister evangelischer Kirchen und „eigentlicher Vater des Bauhausgedankens“ (Oskar Schlemmer, 1925) in einer Ausstellung und einer begleitenden Publikation umfassend vorgestellt. Dabei wird nicht nur sein Beitrag zur Entwicklung des Kirchenbaus im 20. Jahrhundert gewürdigt. Auch seine Vielseitigkeit – neben Kirchenbauten errichtete er auch Sozial- und Siedlungsbauten, Einzelwohnhäuser, Fabrikanlagen und Inneneinrichtungen – und seine Rolle als Organisator, Programmatiker und Theoretiker wird dargestellt.

In Bartnings über 250 Bauten spiegeln sich vier Epochen deutscher Geschichte: Vom Kaiserreich durch die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus bis in die junge Bundesrepublik lassen sich seine Bauten, Projekte und Schriften als Ausdruck gesellschaftlich und politisch verantwortlichen Handelns dokumentieren.

Seit 1918 gehörte er zu den Protagonisten der Moderne. Als Mitglied im revolutionären Arbeitsrat für Kunst entwarf er Konzepte einer radikalen Studienreform für Künstler und Architekten, auf die sich Walter Gropius bei der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar stützen konnte. Zugleich reformierte er durch seinen wohl berühmtesten Entwurf der expressionistischen Sternkirche von 1922 den protestantischen Kirchenbau. Ihre bauliche und liturgische Disposition war revolutionär. 1928 errichtete er für die Evangelische Kirche einen Kirchenbau aus unverkleidetem Stahl, die sogenannte Stahlkirche, die als progressiver Leitbau des Kirchenbaus in die Geschichte einging.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beeinflusste Bartning in den Jahren der Not die Baukultur der Nachkriegsmoderne. Mit seinem Aufruf zu einem schlichten, bescheidenen Wiederaufbau und einer Wiederbelebung der Städte im Sinne christlicher Solidargemeinschaft wurde der prominente, politisch unbelastete Architekt zur Instanz einer ethisch reflektierten Stadtplanung. Bis heute einzigartig ist das von Bartning ab 1945 entwickelte Notkirchenprogramm, mit dem in 43 Städten Typenkirchen aus vorfabrizierten Elementen in Eigenleistung der jeweiligen Kirchengemeinde aufgebaut wurden. Diese Kirchenbauten, die gleich einem „Zelt in der äußeren und inneren Wüste“ auch Orte der Zuflucht waren, werden bis heute von ihren Gemeinden hoch geschätzt.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Wüstenrot Stiftung und der Akademie der Künste in Berlin, wo die Ausstellung im Frühjahr 2017 als Beitrag zum Jubiläumsjahr der Reformation ihren Auftakt nahm. Danach wird sie in der Städtischen Galerie in Karlsruhe und im Institut Mathildenhöhe in Darmstadt präsentiert. Unterstützt wird das Projekt vom Otto-Bartning-Archiv an der Technischen Universität Darmstadt. Kuratorin der Ausstellung und Autorin der Publikation ist Sandra Wagner-Conzelmann.

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier

Projektlaufzeit:Kooperationspartner:
2016 –Akademie der Bildenden Künste Berlin: Dr. Johannes Odenthal, Carolin Schönemann; Freie Kuratorin und Autorin: Dr. Sandra Wagner-Conzelmann