Mosaik-Außenwandbild „Der Mensch in Beziehung zu Natur und Technik“ von Josep Renau in Erfurt

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Das Wandmosaik „Der Mensch, die Natur und die Kultur“ von Josep Renau befand sich am ehemaligen Kultur- und Freizeitzentrum im Neubau-Wohngebiet Moskauer Platz in Erfurt (Foto: Philip Kurz © Wüstenrot Stiftung)

„Ich male nicht für das Zentralkomitee, ich male nicht für die Partei, ich male nicht für die Kunstkritiker, sondern ich male für die Leute, die sich nicht für Malerei interessieren. (…) Damit die Leute heute Kunst zu sehen bekommen, müssen sie in ein Museum, eine Galerie oder eine Ausstellung gehen, aber das ist nach meiner Ansicht falsch, denn die Kunst muss zum Menschen kommen, in jedes Haus, ohne zu fragen!“, so der spanische Künstler Josep Renau 1980 in einem Vortrag in Erfurt.

Die Wüstenrot Stiftung verfolgt mit unterschiedlichen Projekten die Erforschung, Erhaltung und Sichtbarmachung von kulturellem Erbe in Deutschland, zu dem auch das kulturelle Erbe der DDR zählt. Obwohl es sich durch große schöpferische Leistungen auszeichnet, ist es durch fehlende Wertschätzung oftmals gefährdet. So hat die Wüstenrot Stiftung u.a. mit der Weißensee Kunsthochschule in Berlin bereits Maßstäbe im denkmalpflegerischen Umgang mit Architektur der DDR gesetzt und leistet mit einem Forschungsprojekt über den Umgang mit Architektur und Städtebau der DDR einen zusätzlichen wissenschaftlichen Beitrag zur Erhaltung dieses Erbes.

Ein Teil dieses Erbes ist auch die sogenannte architekturbezogene Kunst, deren künstlerischer Wert oftmals durch die Wahrnehmung ihres ideologischen Inhalts überdeckt wird. Die Wüstenrot Stiftung wagt sich mit diesem Projekt an die konkrete und exemplarische Restaurierung eines monumentalen Mosaik-Außenwandbilds. Weiterhin soll seine Wiederverbringung und Aufstellung am ursprünglichen Ort des mittlerweile abgerissenen Kultur- und Freizeitzentrum am Moskauer Platz in Erfurt erfolgen.

Die Komposition des Wandbilds zeigt von links nach rechts eine üppige Vegetation sowie ein monumentales, geöffnetes Händepaar, zwei Symbole haltend: links einen gespaltenen Apfel, rechts einen vielfarbigen Polyeder. Den Abschluss bilden Figuren, die wie auf dem Reißbrett eines Architekten oder Städteplaners angeordnet sind: geometrisch abstrahierte Straßenverläufe und architektonische Körper, ein Reißzirkel und eine Reihe von Bäumen, vom laublosen Zustand bis zur herbstlichen Färbung des Laubs. Oberhalb der geöffneten Hände deuten prismatisch facettierte farbige Kreise mit Kreuz und Pfeil auf das männliche und das weibliche Prinzip hin.

Renaus bildliche Phantasien haben im mexikanischen Muralismo ihr Vorbild, in jener zumeist staatlich beauftragten Wandbildkunst, die sich in der nachrevolutionären Phase ab 1920 in propagandistischer Absicht sozialpolitischen und nationalen Themen widmete. In seine Bilder flossen jedoch auch vielfältige formale Anregungen der Klassischen Moderne ein, die nicht unter die idealtypischen Charakteristika des Sozialistischen Realismus fallen.

Das Wandbild soll Ende 2016 an seinem ursprünglichen Ort in Erfurt wieder aufgestellt werden.

Das Projekt in den Medien

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Erweiterter wissenschaftlicher Beirat:
2014 –Spangenberg+Braun – Freie Architekten: Frank Spangenberg; Trabert + Partner, Ingenieurbüro für Statik und Konstruktion: Dr. Josef Trabert; Restaurator Peter Jung; Bauforschung: Wilma RambowProf. Dr. Karl-Siegbert Rehberg, Marta Hofmann, Dr. Michael Grisko