Mariendom von Gottfried Böhm in Neviges

Mariendom bei Nacht (Foto: Dinnebier-Licht, Wuppertal)

Der Mariendom im Wallfahrtsort Neviges ist einer der bedeutendsten Kirchenbauten des 20. Jahrhunderts. Die einzigartige Beton-Faltwerk-Konstruktion über frei-polygonalem Grundriss überspannt eine Grundfläche von ca. 2.800 m² und ist ein Hauptwerk des Architekten und Pritzker-Preisträgers Gottfried Böhm.

Die Stellung des Mariendoms in der Geschichte der Kirchenbaukunst ist international bedeutsam. Der Mariendom kann dem Brutalismus ebenso zugeordnet werden wie dem sogenannten Betonexpressionismus.

1968 wurde von Kardinal Frings die erste Heilige Messe im Mariendom gefeiert. Seit 1995 steht er mit seinen angrenzenden Gebäuden als Ensemble unter Denkmalschutz. 6.000 Menschen finden in ihm Platz.

Die reine Betonkonstruktion erinnert an die Form ineinander geschobener Zelte, deren Spitzen zu Gipfeln gesteigert sind. Die Last der 25 cm dicken fugenlosen Dachfläche liegt auf den Außenwänden und sechs unauffällige Stützen, die um den Hauptraum herum platziert sind. Der Mariendom vermittelt den Eindruck einer abstrakten Monumentalskulptur und zeigt Böhms Auffassung von der Architektur als Plastik, die künstlerische Gestalt und einprägsame Bildhaftigkeit vereinigt.

Der Bau ist heute reparaturbedürftig, besonders am monolithischen Betondach bestehen Undichtigkeiten und Feuchteprobleme. Zudem konnte eine 1989 aufgebrachte Beschichtung die Undichtigkeiten nicht nachhaltig beheben, beeinträchtigt aber seitdem das skulpturale Erscheinungsbild des Mariendoms.

Die Wüstenrot Stiftung unterstützt die Erzdiözese Köln bei der Reparatur und Instandsetzung des Mariendoms und damit die Rettung eines herausragenden modernen Kirchenbaus. Zudem sollen neue Erkenntnisse für die Denkmalpflege, insbesondere im Bereich der Betonsanierung, gewonnen werden. Hierfür wird der Einsatz von neuen Beschichtungen, z.B. aus dem Bereich des Brücken- und Wasserbaus getestet. Zudem werden umfangreiche Versuchsreihen eingerichtet und Musterflächen angelegt um letztendlich den sinnvollsten Umgang mit dem Denkmal zu finden.

Mit den Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten soll 2016 begonnen werden.

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer/Nutzer:
2015 – 2016Büro Böhm: Gottfried Böhm, Peter BöhmErzbistum Köln: Martin Struck