Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar

Ansicht vom Frauenplan  (Foto © Jens Hauspurg, Klassik Stiftung Weimar)

In dem 1709 erbauten Haus am Frauenplan lebte Goethe von 1782 bis zu seinem Tod 1832. In dieser Zeit verfasste er den größten Teil seiner poetischen, wissenschaftlichen und biografischen Schriften und trug seine umfangreichen Sammlungen zur Kunst und zu den Naturwissenschaften zusammen. Nach eigenen Ideen gestaltete Goethe einige Bereiche des Hauses 1794 grundlegend um, veränderte danach immer wieder Funktionen einzelner Räume und Farbgebung von Wänden und Decken, wie archivalisch belegt ist.

Unmittelbar nach Goethes Tod wurde ein minutiöses Inventar seines Arbeits- und Schlafzimmers, des Vorzimmers und der Bibliothek aufgestellt. Zusammen mit den von Goethe entworfenen Sammlungsmöbeln, den in der Familie bewahrten Erinnerungsstücken und den noch heute erhaltenen Sammlungsgegenständen basiert die Einrichtung weitgehend auf den originalen Objekten. Insofern bietet das Haus ein einzigartiges geistes- und kulturgeschichtliches Zeugnis der Lebenswelt und der gestalterischen Ideen Goethes. Seit 1998 gehört das Haus zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Bis 1885 blieb das Haus im Besitz der Familie und ist dank der testamentarischen Verfügung des letzten Enkels seit 1886 als Museum öffentlich zugänglich. Dessen erste Einrichtung ist in Teilen bereits das Ergebnis einer auf Überlieferungsgeschichte, Archiv- und Quellenstudium basierenden Rekonstruktion, da nicht alle Räume seit Goethes Tod erhalten geblieben sind. Die beiden Anbauten von 1914 und 1935 schufen zwar verbesserte Aufbewahrungs- und Forschungsmöglichkeiten, jede damit verbundene Sanierung und Wiedereinrichtung führte vor dem Hintergrund der jeweils herrschenden gesellschaftlichen und politischen Bedingungen aber auch zu einer neuen zeittypischen Interpretation.

Das Haus wurde im 2. Weltkrieg beschädigt. Es erfolgte eine Reparatur bzw. eine Wiedererstellung der zerstörten Elemente sowie verschiedene Sanierungsmaßnahmen sowohl zu DDR- als auch zu Nachwendezeiten.

Goethes Wohnhaus ist das Zentrum des Ensembles »Goethe-Nationalmuseum«. Eigentümerin ist die Klassik Stiftung Weimar.

Die Wüstenrot Stiftung hat 2015 die Vorbereitungen für eine Machbarkeitsstudie getroffen, in der gemeinsam mit der Klassik Stiftung Weimar die Möglichkeiten einer denkmalpflegerischen Grundinstandsetzung des von jährlich weit über 100.000 Besuchern stark beanspruchten Gebäudes ausgelotet werden sollen. Dabei sollen auch die baulichen Veränderungen und Nutzungsphasen der verschiedenen musealen Zeitschichten erforscht und bewertet werden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die Anforderungen einer präventiven Konservierung sollen in diesen Prozess einfließen. Die bis zu Goethe zurückzuverfolgende, enge Verzahnung von Dekorationselementen, Möbeln und Sammlungsgegenständen stellt eine besondere Herausforderung dar.

Mit den planungsvorbereitenden Maßnahmen zur Bestandserfassung und -forschung am Gebäude und an der Ausstattung sowie der musealen und denkmalpflegerischen Gesamtkonzeption soll 2016 begonnen werden.

Projektlaufzeit:Eigentümer/Nutzer:
2016 –Klassik Stiftung Weimar/Goethe Nationalmuseum, Hellmut Th. Seemann, Prof. Dr. Wolfgang Holler, Johann Philipp Jung, Dr. Bettina Werche, Reimar Frebel