Gestaltungspreis 2014: Baukultur in Deutschland – Von der Architekturqualität im Alltag zu den Ikonen der Baukunst

Gewinnerentwurf 2014: Der Hospitalhof im Modell (Foto © Wüstenrot Stiftung) Gewinnerentwurf 2014: Der Hospitalhof im Modell (Foto © Wüstenrot Stiftung)

Baukultur ist ein zentrales Merkmal unserer gebauten Umwelt. Sie ist die Visitenkarte für Städte, Unternehmen und örtliche Gemeinschaften. Baukultur ist Standortfaktor und maßgeblicher Beitrag zur Identifikation mit Gebäuden, Orten und Regionen.

Dennoch ist es schwierig, Baukultur eindeutig zu bestimmen. Weder gibt es allgemein anerkannte Kriterien noch das verbindliche Urteil einer dafür zuständigen Fachinstanz. Zudem ist Baukultur facettenreich, vielschichtig und geprägt von den Beteiligten und den Prozessen, durch die Gebäude entstehen.

Baukultur ist deshalb auch mehr als gelungene Architektur, mehr als hochwertige Baukunst und mehr als erfolgreiche Denkmalpflege.

Die Wüstenrot Stiftung will mit ihrem Gestaltungspreis einen Beitrag zur weiteren Klärung der Kriterien von Baukultur in Deutschland leisten. Der Wettbewerb soll einen aktuellen Überblick herstellen, Anregungen liefern und Beispiele für eine breite Erörterung des Verständnisses von Baukultur gewinnen.

Der Gestaltungspreis „Baukultur in Deutschland“ fokussiert keine bestimmte Bautypologie, sondern unterstreicht, dass Baukultur aus vielen und unterschiedlichen privaten, gewerblichen und öffentlichen Bauaufgaben entsteht. Die Bandbreite der Beiträge zur Baukultur in Deutschland reicht von der Architekturqualität im Alltag bis zu den Ikonen der Baukunst.

Baukultur erfordert das Zusammenwirken von Menschen, Institutionen und Unternehmen. Die Würdigung dieser gemeinschaftlichen Leistung gehört seit dem ersten Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung zum Grundkonzept seiner Ausrichtung.

Gestaltungspreis 15.000 Euro

Neun Anerkennungen zu je 2.000 Euro

  • Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner GmbH (Greifenberg) für die neue Ortsmitte Wettstetten. Das Ensemble beeindruckt durch die gelungene Erfüllung städtebaulicher, funktionaler und sozialer Ansprüche an die neue Ortsmitte einer etwa 5.000 Einwohner zählenden Gemeinde.
  • Heinrich Böll (Essen) für den Umbau des Pumpenhaus Bochum zu einem Besucherzentrum mit Gastronomie. Geschickt werden neue Nutzungen eingefügt, wobei im Inneren durch die unverkleideten Konstruktionen die Spuren der Industriekultur und die historische Eigenart des Gebäudes sichtbar bleiben.
  • Winfried Brenne Architekten (Berlin) für die denkmalgerechte Sanierung der Akademie der Künste Berlin am Hanseatenweg. Vom Brandschutz über energetische Ertüchtigung bis zur Modernisierung der Haustechnik wurde eine grundlegende Erneuerung erreicht, ohne die einmalige Atmosphäre des Hauses und sein Erscheinungsbild zu beeinträchtigen.
  • Glass Kramer Löbbert – Gesellschaft von Architekten mbH mit Prof. U. Graf (Berlin) für den Neubau envihab – Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln-Porz. Das Gebäude demonstriert beispielhaft, wie komplexe technische und funktionale Anforderungen in ein überzeugendes konstruktives und räumliches Konzept überführt werden können.
  • ifau und Jesko Fezer | Heide & von Beckerath (Berlin) für das Baugruppenprojekt R50 in Berlin. Das Projekt liefert eine überzeugende Antwort für das gemeinschaftliche Wohnen in der Stadt an einem Standort, an dem die Auseinandersetzung mit dem Ort, den Nachbarschaften sowie dem Straßen- und Freiraum nur aus dem Dialog mit den Eigennutzern heraus lösbar war.
  • Kissler + Effgen Architekten (Wiesbaden) für die Umgestaltung der Kirche Sankt Bartholomäus in ein Kolumbarium in Köln. Der Innenraum wird durch eine mit einem transparenten Metallnetz abgegrenzte Kapelle neu gegliedert; es entsteht ein spannungsreicher Kontrast zwischen bestehendem Kirchenraum und sensibel gewählten Materialien der neuen Einbauten.
  • J. Mayer H. und Partner (Berlin) für die Schaustelle in München. Das Projekt zeigt beispielhaft, dass auch temporäre Bauaufgaben mit ihrer Wirksamkeit im städtischen Raum und ihrer Gestaltqualität einen Beitrag zur Baukultur leisten können.
  • Molestina Architekten Gesellschaft für Architektur mbH (Köln) für den Umbau der Zollhalle 12 im Rheinauhafen Köln. Die neue Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes beinhaltet Gewerbeflächen im Erdgeschoss und eine Vielfalt an Wohnungstypen in den Obergeschossen, die den Anforderungen zeitgenössischen urbanen Wohnens gerecht werden.

Kriterien

Bewertet wurden in diesem Wettbewerb in erster Linie:

  • Die Signifikanz der Baumaßnahme als Beitrag zur Baukultur
  • Die Qualität der architektonischen Gestaltung und des Städtebaus
  • Die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit
  • Gegebenenfalls: Der vorbildhafte Umgang mit historischer Bausubstanz

Aufgrund der außerordentlich hohen Zahl an bemerkenswerten Einsendungen und gelungenen Beiträgen zur Baukultur in Deutschland wurden die Zahl der Prämierungen und die Preissumme des Wettbewerbes erhöht. Die Wüstenrot Stiftung dankt gemeinsam mit den Mitgliedern des Preisgerichtes allen Teilnehmern für ihr Engagement zur Wahrung und Fortführung einer hohen Baukultur in Deutschland.

Der alle zwei Jahre bundesweit ausgeschriebene Gestaltungspreis der gemeinnützig tätigen Wüstenrot Stiftung gehört nach der Anzahl der Einsendungen und nach der Höhe der Preissumme zu den bedeutenden Architekturwettbewerben in Deutschland.

Mit den regelmäßigen Preisverleihungen zu wechselnden Themen versucht die Wüstenrot Stiftung, wirksame Impulse für die Gestaltung der gebauten Umwelt und die Bewahrung vorhandener Baukultur zu geben und die Politik und Öffentlichkeit auf beispielhafte Problemlösungen aufmerksam zu machen.

Preisgericht

Prof. Volker Staab, Architekt, Berlin (Vorsitzender)

Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Durth, Architekt, Darmstadt

Barbara Ettinger-Brinckmann, Architektin, Kassel (Präsidentin der Bundesarchitekturkammer)

Prof. Françoise-Hélène Jourda, Architektin, Paris

Philip Kurz, Architekt, Ludwigsburg (Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung)

Reiner Nagel, Architekt und Stadtplaner, Berlin (Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur)

Prof. Florian Nagler, Architekt, München

Impressionen von der Preisverleihung am 23. Februar 2015 in Stuttgart

Die Preisverleihung fand im Hospitalhof Stuttgart statt.

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Baukultur in Deutschland“, Gestaltungspreis 2014 der Wüstenrot Stiftung wird deutschlandweit präsentiert. Vom 11. November bis 3. Dezember 2015 war die Ausstellung in der Fakultät Architektur und Stadtplanung der Fachhochschule Erfurt zu sehen. Vom 11. Februar bis 10. März 2016 werden die ausgezeichneten Projekte in der IHK Wiesbaden ausgestellt. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Impressionen von der Ausstellungseröffnung in Erfurt am 10. November 2015

Die Ausstellungseröffnung am 11. Februar 2016 in Wiesbaden

(Alle Fotos: Wüstenrot Stiftung)