Dokumentarfotografie Förderpreise 11 (2015)

Die Dokumentarfotografie Förderpreise 11 der Wüstenrot Stiftung sind vergeben.

Die Dokumentarfotografie Förderpreise 11 der Wüstenrot Stiftung sind vergeben. (Foto: Helena Grebe © Wüstenrot Stiftung)

Die Dokumentarfotografie Förderpreise 11 der Wüstenrot Stiftung sind vergeben. Die feierliche Preisverleihung fand am 25. November 2015 im SANAA-Gebäude der Folkwang Universität der Künste statt. (Foto: Helena Grebe © Wüstenrot Stiftung)

Zum elften Male wurden die mit jeweils 10.000 Euro dotierten Förderpreise der Wüstenrot Stiftung vergeben.
Die Preise erhalten in diesem Jahr:

  • Susanne Hefti, Folkwang Universität der Künste, Essen
  • Alina Schmuch, Staatliche Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe
  • Andrzej Steinbach, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
  • Malte Wandel, Kunsthochschule für Medien Köln

Unter 120 eingereichten Projekt- und Diplomarbeiten deutscher Hochschulen und fotografischer Ausbildungsstätten wählte die Jury am vergangenen Montag, 19. Oktober und Dienstag, 20. Oktober 2015 die Preisträgerinnen und Preisträger aus.

Mitglieder der Jury:

  • Florian Ebner, Leiter der Fotografischen Sammlung im Museum Folkwang, Essen
  • Dr. Kristina Hasenpflug, Ressortleiterin „Kultur und Bildung“ der Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg
  • Espen Eichhöfer, Künstler, Berlin
  • Dr. Inka Graeve-Ingelmann, Kuratorin, Pinakothek der Moderne, München
  • Prof. Armin Linke, Künstler und Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Berlin

Die Dokumentarfotografie Förderpreise werden alle zwei Jahre von der Wüstenrot Stiftung in Zusammenarbeit mit der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang, Essen, ausgeschrieben. Die Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert und ermöglichen die Realisierung eines neuen Projekts. Nach Ablauf eines Projektjahres wird aus den Arbeitsergebnissen eine Wanderausstellung mit Begleitkatalog konzipiert. Ausstellung, Katalog und Tournee sind Teil des Förderpreises und werden in vollem Umfang von der Wüstenrot Stiftung getragen.

Die 1990 gegründete Wüstenrot Stiftung fördert Arbeiten von jungen Fotografinnen und Fotografen, die sich dezidiert mit den Darstellungsweisen einer abbildorientierten Fotografie auseinandersetzen und dabei thematische Zielsetzungen und formale Aspekte in einen neuen Diskussionszusammenhang bringen.

Auszug aus der Begründung der Jury:

Die Auswahl der Projekte für die diesjährigen „Dokumentarfotografie Förderpreise 11 der Wüstenrot Stiftung“ gibt einen guten Einblick in die methodische Vielfalt und die inhaltlichen Interessen einer jungen Generation von Fotografinnen und Fotografen, die sich weiterhin mit der sozialen und politischen Verfasstheit unserer Welt auseinandersetzen. Dabei geht es um die Fragen unserer Zeit, um Geschichte und Gegenwart von Migrationsbewegungen, um die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, die sich im Bild osteuropäischer Städte ablesen lassen oder aber um ganz grundsätzliche Fragen, etwa, was der Habitus eines Menschen noch über seine Identität verrät. Gemeinsam ist diesen Arbeiten, dass sie keine Gewissheiten mehr transportieren wollen, sondern sich vielmehr durch Offenheit auszeichnen – als wesentlicher Bestandteil der Suche nach einer wahren Einschätzung der Welt, in der wir leben.

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Preisverleihung am 25. November 2015 in Essen

Die feierliche Verleihung der Dokumentarfotografie Förderpreise 11 fand am 25. November 2015 im SANAA-Gebäude der Folkwang Universität der Künste statt. Es sprachen Prof. Elke Seeger (Folkwang Universität der Künste) und Hans-Ulrich Schulz (Vorstand der Wüstenrot Stiftung). Florian Ebner (Leiter Fotografische Sammlung im Museum Folkwang Essen) und Dr. Kristina Hasenpflug (Ressortleiterin Kultur und Bildung, Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg) stellten im Anschluss die Preisträgerinnen und Preisträger vor.

Die Preisträgerinnen und Preisträger der Dokumentarfotografie Förderpreise 11

Malte Wandel

Malte Wandel, der an den Hochschulen in Dortmund, Zürich und Köln studiert hat, legte mit seiner Diplomarbeit „Madgermanes“ und seiner Buchpublikation „Einheit, Arbeit, Wachsamkeit. Die DDR in Mosambik“ eine eindrucksvolle Spurensuche vor, die den Aufenthalt (und auch die Ausbeutung) von Menschen aus afrikanischen Staaten in der DDR nachzeichnet. Hierfür reiste er nach Mosambik, sprach mit Zeitzeugen und Nachfahren, sammelte die Indizien im Stadtbild. Sein Folgeprojekt „Sarah, Miguel und Jamal – die zweite Generation einer Völkerfreundschaft“ richtet sein Augenmerk auf die Erfahrung jener Menschen, die als Kinder dieser Arbeitergeneration in Deutschland zur Welt kamen und aufwuchsen.

Alina Schmuch

Alina Schmuch absolvierte ihr Diplom an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe mit einer Arbeit über ein fotografisches Archiv, das sich nicht der Errichtung von Bauwerken widmet, sondern der Zerstörung obsolet gewordener Architektur durch ihre fachgerechte Sprengung. Was sich hinter der Auswertung dieser technischen Bilder verbirgt, hat nicht nur viel mit Fotografie zu tun (die explosive Qualität des Augenblicks), sondern auch mit der sozialen Relevanz von Architektur. Dieses Interesse wird Alina Schmuch weiterführen, denn in ihrem förderungswürdigen Projekt „Räume unter Verhandlung“ wird sie sich den temporären Architekturen von Flüchtlingsunterkünften widmen.

Susanne Hefti

In ihrer Abschlussarbeit „Unsound Trajectories“ an der Folkwang Hochschule der Künste Essen hat sich Susanne Hefti mit der urbanen Gestalt der mazedonischen Hauptstadt Skopje auseinandergesetzt. Ihre Sichtweise arbeitet die ideologischen Überlagerungen der vergangenen Jahrzehnte heraus. Reiht sie sich mit diesem Interesse an der kulturellen Zeugenschaft von Architektur in eine großen fotografischen Tradition (etwa eines Walker Evans), so findet sie in der experimentellen Form ihrer Arbeit doch einen Weg, um die Brüche vor Ort sichtbar zu machen: „Okzident vs. Orient, Sozialistische Moderne vs. Kitsch des 21. Jahrhunderts, Repräsentation vs. urbane Informalität“. Ihr neues Projekt gilt der Untersuchung des „sozialen Raums“ im Kosovo, der Landschaften und Städte dieser Region, die sie als einen „desolaten Raum“ beschreibt, und als eine Ursache für weitere Migrationsbewegungen.

Andrzej Steinbach

Der vierte Preisträger, Andrzej Steinbach, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seine künstlerische Arbeit stellt grundsätzliche Fragen an unser Verständnis des Porträts und unsere Lese- und Gebrauchsweisen dieser Bildgattung. Welche Bedeutung liegt in diesen Bildern und was schreiben wir in die Darstellung eines Menschen ein? Eine entscheidende Rolle spielt dabei der „Zeichenhaushalt“ seiner fotografischen Studien, die nicht zuletzt auch durch die fortschreitende Reduktion bis hin zur gänzlichen Vermummung ihre Kraft bezieht. In seinem Projektvorhaben „Konstellation“ wird er die Infragestellung einer zu einfachen „dokumentarischen Leseweise“ von Fotografie weiter vorantreiben, auch um Bilder zukünftig eine größere Fülle von Bedeutungen einzuräumen.