Betonwaben und Dickglasfenster der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche von Egon Eiermann in Berlin

Die Südseite der Kapelle, im Hintergrund der Glockenturm mit der charakteristischen Beton-Wabenstruktur (Foto © Steffen Obermann, Berlin)

Die Südseite der Kapelle, im Hintergrund der Glockenturm mit der charakteristischen Beton-Wabenstruktur (Foto © Steffen Obermann, Berlin)

Das einheitliche Prinzip und verbindende Erscheinungsbild der vier Bauten von Egon Eiermann rund um die Turmruine der im Krieg zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ist die Stahlskelettkonstruktion mit einer Ausfachung aus Betonfertigteilen. Die klare Geometrie der Baukörper – Rechteck, Sechseck und Achteck – sowie das strenge Erscheinungsbild der gerasterten Fassaden sind Sinnbild für den Wiederaufbau West-Berlins und eine neue Sachlichkeit im Sakralbau. Längst ist das Kirchenensemble eines der Wahrzeichen der Hauptstadt.

Den Betonfertigteilen der Fassade kommt ein besonderer Stellenwert zu. Sie gliedern sich in quadratische Öffnungen und erzeugen eine filigran konstruierte waffelartige Struktur- Gemeinhin werden sie als Waben oder Betonwaben bezeichnet. Die Oberflächen der Fassaden scheinen sich zu gleichen, jedes Gebäude verfügt jedoch über eine eigene Ausprägung und Struktur der Waben. Die Waben von Kirche und Turm nehmen die berühmten blau-bunten Dickglasfenster aus der renommierten Glaswerkstatt Gabriel Loire in Chartre auf. Die Kapelle ist hingegen mit weißen Glasfenstern mit wenigen Farbakzenten eingefasst. Hinter den Waben des Foyergebäudes verbergen sich Fenster mit Milchglasscheiben. Auch die Geometrie der Betonwaben wurde für jedes Gebäude individuell gestaltet.

Dieses ästhetisch motivierte Konstruktionsprinzip ist zugleich Verhängnis für die Waben. Die an vielen Stellen sehr geringe Betonüberdeckung kann die konstruktive Eisenbewehrung nicht ausreichend schützen und lässt sie korrodieren. Dies führt zu Betonabplatzungen großen Umfangs. So haben die Bauten der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche haben bereits eine dramatische Instandsetzungs- und Sanierungsgeschichte erdulden müssen. Schon 1969, also nur acht Jahre nach Fertigstellung der Kirche und des neuem Glockenturms, waren die ersten Schäden derart umfangreich, dass eine erste Reparatur an allen Gebäuden vorgenommen werden musste. Dach folgten Kampagnen im Abstand von zehn bis fünfzehn Jahren. Seit 2013 befindet sich der Glockenturm erneut in einem Zustand, der es nötig macht, das Bauwerk mit einem Schutzgerüst zu versehen.

Die Wüstenrot Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, beispielhafte Handlungswege für den künftigen Umgang mit den Betonwaben und Dickglasfenstern des Gebäudeensembles zu finden und aufzuzeigen. Insbesondere sollen Wege gefunden werden, wie der bisher unvertretbar kurze Instandsetzungszyklus von durchschnittlich 12 Jahren verlängert werden kann.

Ein Untersuchungsschwerpunkt bezieht sich auf den oberen Teil des neuen Glockenturms, wo unzählige, teils verdeckt angeordnete Öffnungen, den Glockenschall nach außen dringen lassen. Die extrem schlanken Querschnitte sind bereits so stark geschädigt, dass nicht mehr genug Substanz für eine Reparatur vorhanden ist. Die Wüstenrot Stiftung beschäftigt sich damit, ob und wie diese Bauteile mit ihrer komplizierten Geometrie ersetzt werden können.

Das Projekt in den Medien:

Projektlaufzeit:Denkmalprojekt:Eigentümer:Nutzer:
2013 –adb, Ewerien und Obermann: Steffen Obermann, Karen Schlisio, Ingo Haase; Dr. Jacobs & Hübinger: Petra Hübinger; Heimann Ingenieure: Frank Linke, Karsten Dochow; RWP Beratende Ingenieure für Bauphysik: Stephan Rieger; BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung: Dr. Hans-Carsten Kühne; GSE Ingenieur-Gesellschaft: Sven Pöhner; Gesellschaft für Sicherheits- und Umwelttechniken: Matthias Failing; Gesellschaft für Wissenstransfer in der Gebäude-Diagnostik: Detlef Ullrich; Glasmalerei Peters: Christoph SanderStiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche: Dr. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen (†), Pfarrer Martin Germer, Ingeborg BurgertEvangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde Berlin: Pfarrer Martin Germer